Mit Fruchtbarkeitstests sollen Frauen erkennen können, an welchen Tagen sie empfängnisbereit sind. Studierende der Universität Kopenhagen arbeiten zurzeit an einer eher ungewöhnlichen Methode – und zwar an einem Kaugummi, das die Farbe verändert.

Die Empfängnisbereitschaft einer Frau anzeigen soll das Kaugummi mithilfe von veränderter Hefe. Die Hefe soll auf bestimmte Hormone der Frau reagieren und seine Farbe verändern, erklärt unsere Reportein Ilka Knigge. Kaut die Frau kurz vor oder während eines Eisprungs auf so einem Kaugummi, soll es also eine bestimmte Farbe annehmen. Mit seiner Arbeit will das junge Forscherteam an einem internationalen Wissenschaftswettbewerb teilnehmen.

"Das Kaugummi soll seine Farbe verändern und anzeigen, ob die Frau bald oder gerade ihren Eisprung hat."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Wie aber kommen Forscher überhaupt auf eine solche Idee? Die Schwester eines Teammitglieds versuche derzeit schwanger zu werden, doch mit den Fruchtbarkeitstests, die momentan auf dem Markt sind, sei das nicht so einfach, erklärte der Münchener Wissenschaftler Noël Jung, der an dem Projekt in Kopenhagen mitwirkt.

Hormone lassen sich auch im Speichel messen

Hormone können nicht nur im Blut, sondern auch in anderen Körperflüssigkeiten vorkommen, erklärt der Mediziner Ludwig Kiesel. Derzeit auf dem Markt sind vor allem Urintests, dafür muss man auf die Toilette. Auch kann der Zervixschleim, also die Flüssigkeit in der Vagina, analysiert werden. Zudem gibt es Speichelmethoden, bei denen der Speichel allerdings unter dem Mikroskop untersucht werden muss. Daneben gibt es außerdem die Körpertemperatur-Methode.

"Im Grunde werden Hormone ja im Blut, aber auch in Körperflüssigkeiten ausgeschieden oder kommen dort vor. Und man kann das dann dort messen."
Ludwig Kiesel, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Münster

Für die Fruchtbarkeit einer Frau sind die Hormone Östrogen, LH und Progesteron Indikatoren. Die Östrogen- und LH-Konzentrationen steigt vor dem Eisprung an, Progesteron quasi beim Eisprung.

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Anderes als die bisherigen Methoden verspricht das Kaugummi ein einfacherer Test zu sein. Bis es so weit ist, haben die Forscher aber noch zu tun. Die aktuellen Herausforderungen sind: Wie bringt man die Hefe dazu, die Hormone richtig zu erkennen? Und wie kann die Hefe im Kaugummi trotz Kauens überleben? Und dann soll das Kaugummi noch schöne Farben bekommen – grün, rot und orange, jeweils für Östrogen, LH und Progesteron.

"Die Studierenden werkeln an zwei Sachen rum: Wie sie die Hefe dazu kriegen, die Hormone richtig zu erkennen. Und die Hefe muss trotz Kauen im Kaugummi überleben."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Kaugummi auch zur Verhütung denkbar

Die Studierenden denken auch über eine App nach. "Man könnte dann ein Foto dieses Kaugummis machen und die App könnte dann erkennen, welche Hormone wie hoch exprimiert sind im Speichel", sagt Noël Jung. Im Idealfall, wenn die fruchtbaren und die weniger fruchtbaren Tage gut getrennt werden können, sei das Kaugummi auch als Verhütungsmethode denkbar, sagt der Mediziner Ludwig Kiesel.

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Eine rückwirkende Verhütung sei hierbei aber nicht mehr richtig möglich, da das Sperma einige Tage in der Vagina überleben kann. "Wenn ich jetzt einen Tag später feststelle, 'Oh, jetzt kommt der Eisprung', dann kann man das natürlich nicht mehr verhindern", so Ludwig Kiesel. Dieses Problem haben allerdings auch andere Zyklustracker.