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Frau weiß, in stressigen Zeiten kann die Regel ziemlich unregelmäßig sein. Ist das auch in der Coronavirus-Pandemie der Fall? Denn für viele bedeutet sie genau das: Stress. Frauenärztinnen und Forschende beschäftigen sich gerade mit der Frage, ob die Pandemie tatsächlich Einfluss auf den weiblichen Zyklus hat.

Nun ist das ja so eine Sache mit Umfragen auf Social Media – sie sind wissenschaftlich nicht aussagekräftig, geschweige denn repräsentativ. Aber sie können Themen in die Öffentlichkeit bringen.

So war es auch bei der Londoner Gynäkologin Anita Mitra, die in den sozialen Medien aktiv ist und dort ihre Follower und Followerinnen gefragt hat, ob sie während des Lockdowns Veränderungen beim Zyklus oder hormonelle Schwankungen beobachtet hätten. 65 Prozent der über 5000 Teilnehmenden bejahten das.

Erforschung der "Pandemic Period"

Im Bereich der Sportwissenschaft gibt es eine vorläufige Studie, die sich mit demselben Thema beschäftigt. Die Ergebnisse sind noch nicht spruchreif, die Studie wird noch geprüft. Laut Vorveröffentlichung gaben 53 Prozent der über 700 Teilnehmenden an, zum Beispiel Veränderungen bei der Zykluslänge bemerkt zu haben. Frauen, die die Pille nehmen, sollen allerdings weniger davon betroffen sein.

"In der vorläufigen Studie hat sich gezeigt, dass besonders diejenigen mehr Stress und zyklusbedingte Veränderungen wahrgenommen haben, die während des Lockdowns mit ihren Kindern zu Hause waren."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Maggie Banys-Paluchowski, Gynäkologin und Oberärztin an der Asklepios Klinik in Hamburg-Barmbek, wundert das nicht. Schließlich sei in der Medizin bekannt: Stress kann sich auf den Zyklus auswirken.

Cortisol kann Zyklus beeinflussen

Grund sei das Stresshormon Cortisol. Das heißt: Je höher und regelmäßiger die Cortisolausschüttung im Körper, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Hormon den Zyklus durcheinanderbringt.

"Jetzt im Lockdown erzählen mir Patientinnen häufig, dass sie unter starkem Stress stehen und Probleme im Zyklus beobachten."
Maggie Banys-Paluchowski, Gynäkologin und Oberärztin an der Asklepios Klinik in Hamburg-Barmbek

Maggie Banys-Paluchowski vermutet aber auch andere Gründe für die
veränderte Wahrnehmung des Zyklus. So könne es zum Beispiel sein, dass
Frauen, die unter dem Prämenstruellem Syndrom leiden, sich normalerweise mit Sport helfen. Derzeit seien aber viele Einrichtungen wegen der Pandemie-Maßnahmen geschlossen – von Fitness- über Yogastudios bis zum Schwimmbad.

Oder die Frauen treffen sich nicht mehr mit Freundinnen und Freunden, bei denen sie sich sonst Trost und Aufmerksamkeit holen.

Wohlfühlroutinen - gerade in Stresszeiten wichtig

Helfen könnte dabei, diese wegegefallen Sport-Routinen durch andere Aktivitäten zu ersetzen, andere wohltuende Alternativen zu finden oder die alten Gewohnheiten, so gut wie es geht, wieder aufzunehmen.

Wer stark leidet, betont Maggie Banys-Paluchowski, sollte sich damit auf jeden Fall an seinen Arzt oder seine Ärztin wenden.