Ein kleines Virus hat ihren großen Tag verpfuscht: Judith und Chris wollten eigentlich am 23. Mai "Ja" sagen - nach 13 Jahren Beziehung. Anderthalb Jahre lang haben sie für den schönsten Tag im Leben geplant, organisiert, gespart. Und jetzt? Unsere Reporterin hat beide getroffen.

Judith und Chris hängen ziemlich in der Luft. Ihre Hochzeit im Mai sollte eine große Feier werden, so wie sie sie schon bei vielen Freunden erlebt haben. Seit über einem Jahr planen sie für den großen Tag. Dass ihnen eine Pandemie einen Strich durch die Rechnung macht - damit konnten sie nicht rechnen.

"Am Anfang hab ich einfach nur geheult."
Judith

Vielen Brautpaaren geht es derzeit wie den beiden. Der Mai und der Juni sind schließlich die Heiratsmonate schlechthin. Besonders frustrierend ist es wohl, dass im Moment einfach niemand weiß, ab wann Hochzeitsfeiern wieder möglich sein werden.

So stehen die Paare vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen sie alles absagen? Oder sollen sie hoffen, dass es in ein paar Wochen weitere Lockerungen gibt, private Feiern wieder erlaubt sein werden?

"Wir möchten ausgelassen feiern können. Es soll nicht jemand einen Mundschutz tragen müssen."
Judith

Für Judith und Chris steht fest: Sie wollen keine Feier auf Sparflamme oder mit Sicherheitsvorkehrungen. Niemand soll einen Mundschutz tragen müssen. "Wir möchten dieses Thema Corona gar nicht im Hinterkopf haben bei der Feier", sagen sie.

Keine Trennung von Heirat und Feier

Theoretisch wäre es auch möglich, die eigentliche Hochzeit von der Feier zu trennen. Alleine heiraten - das geht und ist erlaubt. Doch die Regelungen sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Mal dürfen Trauzeugen dabei sein, mal nicht. Teilweise muss das Brautpaar sogar mit dem eigenen Stift unterschreiben. Für Judith und Chris ist die Solo-Trauung keine Option.

"Das war relativ schnell für uns beide klar, dass wir auf jeden Fall unsere Familie dabei haben wollen."
Chris

Und dann wäre da noch die Sache mit der angemieteten Location: Die beiden haben eine Anzahlung geleistet. Und je länger sie abwarten, desto teurer wird die Stornierung. Da geht es dem angehenden Ehepaar nicht anders als vielen anderen, die eine Reise gebucht oder eine Ferienwohnung gemietet haben.

Dabei gilt: Sollte das gesetzliche Feier-Verbot am Tag der Hochzeit noch gelten, müssten die beiden gar keine Stornogebühren bezahlen. Doch sofern sie die Feier selbst absagen, wird laut Vertrag eine Stornogebühr fällig. Warten sie bis zum Schluss, wären in ihrem Fall mehrere Tausend Euro fällig, sagt Chris.

Niemand will um seine Hochzeitsfeier pokern

Die beiden haben nun jedenfalls entschieden, dass sie lieber später eine Hochzeit nach ihrem Geschmack feiern wollen, statt im Mai eine halbherzige Feier zu riskieren.

Der große Tag für Judith und Chris findet also 2021 statt. Seit die Entscheidung steht, geht es den beiden deutlich besser. Und einen Vorteil hat es doch: Für den Anzug und das Traumkleid haben sie nun ein Jahr Zeit, um sich in Form zu bringen.