Manche Menschen neigen bei Stress eher dazu, Ungesundes zu essen. Das ist sogar evolutionär erklärbar und erstmal kein Problem. So lange Essen nicht als dauerhafte Strategie zur Stressbewältigung angewendet wird.

Laut der britischen Supermarktkette Waitrose wurden in Großbritannien in den letzten zwölf Monaten 17 Prozent mehr weißes Brot verkauft. Das könnte zum einen daran liegen, dass Weißbrot bei gestiegenen Lebenshaltungskosten eine günstigere Alternative ist. Womöglich haben in Stresszeiten aber auch Menschen einfach mehr Lust auf leckeres Weißbrot und verzichten auf gesunde Alternativen.

Essen löst Glücksgefühle aus

Manche Menschen haben bei Stress einen flauen Magen und neigen eher dazu, weniger zu essen als sonst. Andere dagegen hauen bei Stress richtig rein. Dieser Zusammenhang hat auch mit der Evolution zu tun, erklärt die Ernährungspsychologin Bastienne Neumann.

Denn Prozesse wie Essen oder auch Sex kommen oft mit Glücksgefühlen einher. Sie werden also von Natur aus belohnt. So wird sichergestellt, dass eine Spezie zumindest nicht dadurch ausstirbt, dass sie verhungert oder sich nicht weiter fortpflanzt. "Das ist von der Natur recht clever gemacht", sagt Bastienne Neumann.

"Essen löst ein Glücksgefühl aus. Das ist von der Natur eigentlich recht clever gemacht, denn überlebenswichtige Prozesse, die quasi dem Spezies-Erhalt dienen, wie zum Beispiel Essen, wie Fortpflanzung, sind einfach mit einem positiven Gefühl sichergestellt sozusagen."

Das körpereigene Belohnungssystem wird dabei wohl besonders durch Kohlenhydrate und Fett getriggert - das findet sich etwa in Schokolade, Chips, Pommes, Pizza, und Eiscreme oder auch einer Scheibe weiches Weißbrot mit Marmelade und Erdnussbutter.

Essen und das Gefühl von Geborgenheit

Essen für die Psyche muss aber nicht zwangsläufig ungesund sein. Es können auch Gerichte sein, die wir mit Gefühlen wie Geborgenheit verknüpfen, zum Beispiel bestimmte Gerichte, die wir als Kind gerne gegessen haben.

"Problematisch wird es, wenn Essen eine dauerhafte Lösung für den Umgang mit Stress oder anderen Emotionen wird."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Problematisch kann Essen bei Stress dann werden, wenn es als eine dauerhafte Lösung oder Routine für den Umgang mit Stress oder anderen Emotionen angesehen wird.

Die perfekte Technik für bewusstes Essen, die für jede und jeden funktioniert, gibt es nicht, sagt die Ernährungspsychologin Bastienne Neumann. Hilfreich sei aber, sich zu fragen: Warum möchte ich jetzt essen? Wenn die Antwortet Stress oder Frust lautet, ist das Essen womöglich gerade nicht die beste Idee. "Essen löst keine Probleme außer Hunger", sagt Bastienne Neumann.

"Wenn Hunger nicht das Problem ist, dann ist Essen auch nicht die Lösung."

Wer befürchtet, auf dem Weg in eine Essstörung zu sein oder eine zu haben, sollte sich im Zweifelsfall immer professionelle Hilfe holen.