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Lange wurde getrödelt, jetzt aber soll es ganz schnell gehen mit neuen Apps zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Zunächst die Kontaktverfolgungs-Apps – und jetzt der Corona-Impfpass. Für Deutschland soll ihn das Kölner Startup Ubirch zusammen mit dem US-Unternehmen IBM an den Start bringen.

Innerhalb von zehn Tagen, so wünscht es sich Kanzleramtsminister Helge Braun, soll in Deutschland über eine Kontaktverfolgungs-App für die geplanten weiteren Lockerungen entschieden werden.

Ebenfalls fix – bis zum Sommer – soll in ganz Europa ein digitaler Impfnachweis bereitstehen. Die App ist quasi die Übertragung des gelben Impfheftchens ins digitale Zeitalter, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll: ein digitaler Impfnachweis, wie es ihn in Israel bereits gibt oder wie er jetzt auch in China eingeführt wurde.

EU-weit: Der "Grüne Pass"

Die EU-Kommission will in der kommenden Woche die Details für diesen sogenannten "Grünen Pass" vorlegen. Die Lösungen der EU-Staaten müssen länderübergreifend funktionieren.

Für Deutschland sollen das Kölner Startup Ubirch, das sich auf Blockchain-Technologie spezialisiert hat, und der US-amerikanische IT-Gigant IBM den Job übernehmen. Sie setzten sich beim Wettbewerb des Gesundheitsministeriums durch. Der neuen US-Regierung wird das gefallen. Sie setzt sich für eine Allianz der Demokratien im Technologiesektor ein. Margrethe Vestager, die Vizepräsidentin der EU-Kommission, unterstützt den Vorstoß.

Über den "Grünen Pass" sollen sich neben dem Impfstatus auch Informationen über Corona-Tests oder Covid-19-Erkrankungen übermitteln lassen, erklärt unser Netzreporter. Dies würde helfen, die Reisebeschränkungen aufzuheben.

Mehr Aktivitäten für Geimpfte

Mit dem digitalen Nachweis in der App – oder mit einem ausgedruckten QR-Code – können Restaurants, Fluglinien, Fitnessstudios oder jede andere Einrichtung ein System aufbauen, mit dem sie nur noch Geimpften Zutritt gewähren.

"Mit dem digitalen Impfnachweis werden Geimpfte mehr Möglichkeiten haben als Ungeimpfte."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Euer gutes altes gelbes Impfheftchen wird wahrscheinlich auch weiterhin eine Rolle spielen, sagt unser Netzreporter. Fälschungssicher sei es aber sicherlich nicht. Die Digitalisierung habe da durchaus ihre Vorteile – auch, was die Geschwindigkeit des Abgleichs betrifft. Außerdem wäre ein Verlust des Heftchens nicht mehr so problematisch, weil die Impfung ja auch digital dokumentiert ist.

"Das gelbe Heftchen ist kaum als fälschungssicher zu betrachten. Bei der App bzw. den QR-Codes wäre das anders."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Der QR-Code wäre ein anonymisierter Fingerabdruck, kryptografisch signiert und fälschungssicher abgelegt. Mit Infos zu unserem Namen, dem Impfdatum und dem Impfstoff. Bei einer Einlasskontrolle würde die oder der Kontrollierende den Code scannen, unseren Namen sehen und dann z.B. mit einem Personalausweis noch einmal abgleichen.

Der deutsche Impfpass ist noch keine EU-weite Lösung, sondern erst einmal nur eine App für Deutschland. Die Lösungen sollen aber später kompatibel sein, damit ihr zum Beispiel auch auf Mallorca nachweisen könnt, dass ihr geimpft seid. Natürlich könnte das dann noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, befürchtet Andreas Noll. Die Corona-Warn-Apps sollten auch schon im Herbst EU-weit kompatibel sein – und sind es bis heute immer noch nicht alle.

Umsetzung bis Sommer angestrebt

Auch bei der Frage, ob die deutsche Impf-App tatsächlich bis Sommer am Start ist, ist unser Netzreporter eher skeptisch. Nach den bisherigen Erfahrungen in dieser Pandemie gibt es dazu ja auch einigen Grund.

Die beteiligten Unternehmen geben sich allerdings zuversichtlich, dass sie das System bis dahin auf die Beine stellen und die mehr als 55.000 deutschen Arztpraxen und bisher 410 Impfzentren innerhalb der kommenden drei Monate daran anschließen können. Dazu kommt: Millionen Impfungen, die bislang nur auf dem Papier dokumentiert sind, müssen noch nachgetragen werden.

Doch auch wenn Ubirch und IBM es bis zum Beginn der Sommerferien hinkriegen: Klassenbester wären wir damit sowieso nicht. Bei unseren österreichischen Nachbarn zum Beispiel gibt es bereits einen E-Impfpass – für die Corona-Impfungen und auch für andere. Auf der Seite des österreichischen Gesundheitsministeriums kann man sich die Zahl der dort eingetragenen Impfungen anschauen. Sie wird täglich aktualisiert. Wir hinken also in Deutschland erneut hinterher.