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Endlich wieder ins Kino, ein Restaurantbesuch oder das Bierchen mit Freunden in der Kneipe. Ein Baustein für Lockerungen ist die Nachverfolgbarkeit unserer Kontakte. Ideal wäre eine digitale Lösung über eine App. Darüber wollen die Bundesländer am Montag (8.03.2021) entscheiden.

Die bekannteste der existierenden Apps zur Kontaktnachverfolgung ist Luca. Dass sie so populär ist, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass sich Smudo von den Fantastischen Vier an dem Projekt beteiligt, vermutet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler. Es gebe nämlich daneben noch eine ganze Reihe weiterer Apps, die quasi dasselbe leisten und auch gut funktionieren: Recover, Smartmeeting, Darfichrein oder Gastident zum Beispiel, um nur ein paar zu nennen.

Was die Apps leisten

Das Prinzip dieser Apps funktioniert so: Wenn wir zum Beispiel ein Restaurant besuchen, generiert die App auf unserem Smartphone einen QR-Code. Diesen würden wir – so wie alle Gäste – vom Restaurantbetreiber abscannen lassen. Wenn nun einen Tag später eine Person von unserem Nachbartisch positiv getestet wird, bekommen wir eine Warnung.

"Im Prinzip ist alles wie früher, als die Restaurants und Läden noch geöffnet hatten und man sich beim Besuch eintragen musste. Nur eben, dass Namen und Adresse nicht auf ein Blatt Papier geschrieben werden."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das Prinzip ist dasselbe wie bei den Papierlisten, in die wir uns alle – als die Läden noch geöffnet hatten – beim Besuch eintragen mussten. Die digitale Erfassung per App ist aber sicherer und vor allem schneller. Die Anwendungsmöglichkeiten sind groß: Die App kann praktisch überall dort zu Einsatz kommen, wo es um den Kontakt zu Menschen geht, also in Supermärkten, beim Friseur, in Klamottenläden, Museen oder bei Konzerten.

Unterschied zur Corona-Warn-App

Die bereits bestehende Corona-Warn-App erfasst zwar auch Kontakte. Sie ist aber für den Dauereinsatz gedacht: Sie läuft im Hintergrund und die Nutzenden müssen dauerhaft Bluetooth eingeschaltet haben.

"Bei der Nachverfolgungs-App weiß ich: Wenn ich in den Laden rein will, dann benutze ich die App – für diesen konkreten Zweck. Danach macht die App auch nichts mehr."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Eine Nachverfolgungs-App dagegen funktioniert viel direkter: Sie arbeitet nur, wenn wir auch aktiv etwas tun. Das ist für viele Nutzende vom Gefühl her wahrscheinlich ein großer Unterschied, glaubt unser Netzreporter. Im besten Fall – und wenn der Handyakku das mitmacht – benutzt ihr beide Apps.

Eine oder mehrere Apps?

Die Bundesregierung und die Länder überlegen, entweder die Luca-App im ganzen Land einzusetzen oder aber eine Mischung verschiedener Apps zuzulassen. Am einfachsten wäre natürlich eine einzige App. Das kann aber auch Nachteile haben, sagt unser Netzreporter. Denn vielleicht sind andere Apps für manche Szenarien besser geeignet. Und vielleicht haben manche Geschäfte schon eine App erfolgreich im Einsatz, die sie dann ersetzen müssten.

Die Startup-Initiative "Wir für Digitalisierung" hatte sich zuletzt gegen eine bundesweite Luca-Nutzung ausgesprochen und eine offene gemeinsame Schnittstelle gefordert, über die verschiedene Apps untereinander kommunizieren können. Technisch möglich ist das. Wenn auf eine einzige App gesetzt wird, lässt sich das allerdings besser bewerben und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass die Bürgerinnen und Bürger das Ganze auch annehmen und nutzen. Keine leichte Entscheidung.

Erfahrungen mit Apps zur Kontaktnachverfolgung

In Deutschland sind einige der Apps teilweise schon seit vielen Monaten im Einsatz. Sie wurden nur bisher nicht bundespolitisch gefördert. Auch unternehmenseigene Lösungen sind in Planung, etwa bei der Deutschen Telekom.

Dass ein solches QR-Code-System tatsächlich zur Pandemiebekämpfung beitragen kann, zeigen Untersuchungen aus England. Das Bundesgesundheitsministerium sieht das wohl ähnlich. Denn auch die Corona-Warn-App soll in einigen Wochen eine solche Check-in-Funktion etwa für Restaurants bekommen. Je nachdem, was jetzt beschlossen wird, kann sich das Gesundheitsministerium diese Erweiterung aber eigentlich sparen. Denn in ein paar Wochen kommt diese dann zu spät.