Seit Wochen wird über Werbung für Schwangerschaftsabbrüche diskutiert. Laura Dornheim hat abgetrieben und erzählt uns, wie sie sich informiert hat und auf welche Probleme sie dabei gestoßen ist. 

Als Laura Dornheim den Frauenarzt verlässt, ist sie ziemlich durcheinander. Sie ist schwanger und will das Kind nicht bekommen. Allerdings hat sie in diesem Moment noch keine Informationen zum Thema "Abtreibung" bekommen. Weil sie schon lange feministisch aktiv ist, weiß sie, wo sie sich richtig und vor allem neutral informieren kann. Sie merkt aber auch, dass - als sie den Begriff "Abtreibung" googelt – viele Seite auftauchen, die zunächst sehr einfühlsam und hilfreich daher kommen, hinter denen am Ende aber zum Beispiel Abtreibungsgegner stecken oder andere Menschen, die nicht wirklich an einer neutralen Beratung interessiert sind.

Laura ist dann zu Pro Familia gegangen und hatte dort das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Sie hatte den Eindruck, dass die Beraterin wirklich versucht, sich in ihre ganz persönliche Situation hineinzuversetzen. Sie hat Laura dann mit allen relevanten Informationen versorgt – ohne sie in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.

"Ich kam mir so gedemütigt vor, dass ich mit jemandem, den ich noch nie in meinem Leben gesehen habe, darüber reden musste, wie es dazu gekommen ist, dass ich jetzt schwanger bin."

Nach der Beratung musste Laura noch einmal drei Tage warten, bis sie dann tatsächlich die Abtreibung machen lassen konnte. Diese drei Tage sind gesetzlich vorgeschrieben. Und Laura sagt, dass sie wirklich wütend ist über diese Vorschrift. Denn sie drücke im Prinzip aus: "Du bist eine Frau und jetzt sind auch noch Hormone im Körper – kann man ja nicht so genau wissen, ob Du wirklich gut entschieden hast."

"Wenn ich mich für ein Kind entscheide, fragt niemand mehr drei Tage später nach. Und die Entscheidung ist eine viel weitreichendere. Da kommt ein neuer Mensch."

Laura hat sich in diesen drei Tagen versucht, abzulenken. Gar nicht so einfach, weil sich der Körper auch schon in der Anfangszeit einer Schwangerschaft ziemlich verändert und bemerkbar macht.

Es ist schwer, an Informationen über Abtreibungen zu kommen

Sie hat sich dann für eine Abtreibung durch Medikamente entschieden. Eine Operation wollte sie nicht. Um herauszufinden, welcher Arzt oder welche Ärztin sie behandeln kann, musste sie in vielen Gynäkologiepraxen anrufen und nachfragen. Vor allem auch, wie viel es kostet, denn die Preise variieren. Laura sagt: "Ich hatte Glück, eine Ärztin zu finden, bei der ich das Gefühl hatte, sie unterstützt mich und versucht einfach eine bestmögliche medizinische Betreuung zu bieten, die eben auch eine Vor- und Nachsorge beinhaltet. Aber dafür gibt es keine Standards."

"Es macht mich wütend, dass Schwangerschaftsabbruch im selben Strafgesetzbuch geregelt ist wie Mord und Totschlag."
Laura Dornheim hat abgetrieben und weiß wie schwer es ist, an neutrale Infos zu kommen

Laura Dornheim findet es nicht richtig, dass § 219a von einem Werbeverbot für Abtreibungen spricht, ihrer Meinung nach geht es um die einfache Information einer Ärztin oder eines Arztes, ob sie Abtreibungen durchführen oder nicht und wenn ja, auf welche Weise.

Laura wünscht sich, dass Abtreibung aus dem Strafgesetzbuch verschwindet. Eine Fristensetzung, bis wann es gemacht werden kann, ist ihrer Meinung nach richtig, aber es sollte Teil der medizinischen Ausbildung werden: "Es ist ein gynäkologischer Eingriff, wie viele andere auch. Und dafür sollten Ärzte und Ärztinnen gut ausgebildet sein, damit sie Patientinnen die beste Sorge bieten können."

"Mit zwölf Wochen sieht ein Embryo nicht süß aus, sondern hat durchsichtige Haut und ist noch weit weg davon, ein Mensch zu sein."
Laura Dornheim

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