Wir wollen keine zweite Ukraine werden, denken sich viele Polen. Deshalb engagieren sie sich in paramilitärischen Einheiten, um ihr Land zu verteidigen. Diese freiwilligen Truppen machen erstmals bei dem Nato-Manöver Anaconda mit, das vom 7. bis 17. Juni läuft.

Rund 12.000 Polen wollen ihr Land verteidigen - ganz freiwillig. Sie gehören nicht der Armee an, sondern bilden paramilitärischen Einheiten. Jeder, der über 18 Jahre alt ist und für sein Land kämpfen will, kann mitmachen. Es melden sich nicht nur alte Männer, sondern auch viele junge. "Die sind jung, engagiert und zu allem bereit", sagt Martha Wilczynski, Polen-Expertin und Redakteurin bei Funkhaus Europa.

Freiwillige für Polens Landesverteidigung

Zu den zivilen Trupps gehören ganz normale Patrioten, sagt die Journalistin, es melden sich nicht nur Schlägertypen und Krawallmacher. "Das läuft alles auf einem sehr professionellen Niveau ab", erklärt Martha Wilczynski. "Die sind top ausgerüstet." Sie hat sich Trainings angeschaut. "Als Laie kann man die Übungen kaum von normalen militärischen Übungen unterscheiden."

"Das ist eine Mischung aus Angst und patriotischem Aktionismus."
Polen-Expertin Martha Wilczynski

Die Freiwilligen treibt unter anderem die Angst vor Russland in die paramilitärischen Einheiten. Vor allem seit dem Konflikt in der Ukraine seien diese Ängste greifbar, so Martha Wilczynski. Die Stimmung unter den Paramilitärs: Polen soll keine zweite Ukraine werden.

Polens Regierung ist begeistert von den paramilitärischen Gruppen. Verteidigungsminister Antoni Macierewicz plant, den Freiwilligen monatlich 500 Zlotys zu zahlen, umgerechnet 120 Euro. Die Einheiten sollen auf mehr als 30.000 wachsen und in die Verteidigungsstruktur Polens integriert werden.