Eigentlich wollte die Pariserin Konstanze, die in Deutschland lebt, an diesem Wochenende einfach nur ihre Eltern zuhause besuchen. Dann kamen die Anschläge. Sie berichtet von ihren Eindrücken aus Paris.

Alles leer. Und überall Polizei und Militär. Schon als sie am Samstag in Paris aus ihrem Zug steigt, ist klar, dass die Stadt anders ist. Konstanze von Kotze hatte den Besuch bei ihren Eltern in Paris lange geplant. Die Verabredungen fürs Wochenende, die sie vor den Ereignissen gemacht hatte, sind jedoch hinfällig: Viele Freunde bleiben am Samstagabend lieber zuhause, der vor den Ereignissen geplante Konzertbesuch fällt aus, vieles ist geschlossen. Ohnehin zieht sich eine bedrückte Stimmung durch die Stadt, beschreibt die Pariserin.

"Die Stimmung ist schwer zu beschreiben. Es ist eine Mischung: ein bisschen wie betäubt, fast auch müde, gleichzeitig aber auch wütend."
Die Pariserin Konstanze

Menschenleere Metros und geschlossene Geschäfte - "das sind Bilder, wie man sie noch aus dem Januar nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo kennt", berichtet die 32-Jährige Journalistin. "Nur ist es heute viel leerer“. In der Buslinie, die durch den 10. und 11. Bezirk führt, wo viele Menschen starben, sprechen die Fahrgäste nur leise: Wie geht es weiter? "Es ist ein komisches Gefühl", beschreibt Konstanze. Denn das sind die Viertel, in denen viele junge Leute leben, wo man eigentlich ausgeht, was trinken geht, bevor man in die Disko weiterzieht.

"Wenn man die Bilder sieht, dann denkt man natürlich: Ich hätte selber dort sein können."
Die Pariserin Konstanze über den Tag nach den Anschlägen

Es ist aber nicht nur Bedrückung oder Angst, die Konstanze in ihrem Pariser Freundeskreis erlebt. Es ist auch das Gefühl, nicht zu verstehen, was gerade eigentlich passiert ist. Und es ist Wut. Dabei häufen sich die Fragen: Wie kann es sein, dass das jetzt wieder passiert? Hätte es verhindert werden können? Was hat die Regierung falsch gemacht? Was muss man tun?

"Dieses Mal ist es sehr viel einheitlicher, dass einfach alle solidarisch sind."
Die Pariserin Konstanze über Reaktionen ihrer Freunde

"Den Club Bataclan kennt man, wie man auch den Eiffelturm kennt", sagt Konstanze. Jeder kenne jemanden, der schon mal da war, vielleicht erst am Tag zuvor. Aus den ganzen gemischten Gefühlen in Paris ergibt sich aber auch viel Solidarität. In den Sozialen Netzwerken zeigen ihre Freunde die Tricolore: Keiner kann verstehen, warum so viele Menschen sterben mussten.

Ohnmacht, Angst, die größtmögliche Aufmerksamkeit - das ist es, was die Terroristen mit den Anschlägen auslösen wollen, sagt Terrorismusexperte Holger Schmidt. Seine Analyse mit Blick auf die Ereignisse.