Mit 14.000 Quadratmetern für Pflanzen, Obst und Gemüse ist das Urban-Farming-Projekt auf den Dächern der Messehallen der Expo Porte de Versailles das größte weltweit. Was soll das Projekt außer den 1000 Kilo Lebensmittel täglich bringen?

Auf den Messehallen im Nordwesten von Paris, dem Parc des Expositions am Porte de Versailles, wird es im kommenden Frühjahr sehr grün werden. Auf 14.000 Quadratmetern wird ein großer Acker für Gemüse und Wiesen für den Obstanbau entstehen.

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Regionale Sorten, Platz für Insekten und neue Arbeitsplätze

Bei den rund 30 verschiedenen Obst- und Gemüsesorten, die dort angebaut werden sollen, handelt es sich vor allem regionale und alte Sorten. Zwischendrin soll es Platz für kleine Gärten geben, die von den Anwohner als eine Art Stadtgarten gepachtet werden können.

Zwischen den Gärten sollen Grünflächen für Insekten- und Blumenwiesen frei bleiben. Damit sollen vor allem Bienen angelockt werden, sagt die ARD-Korrespondentin in Frankreich, Sabine Wachs.

Bereits im November soll auf den Messedächern die ersten Sorten ausgesät werden, sodass im Frühjahr das Projekt buchstäblich erblühen kann. 20 Gärtnerinnen und Gärtner werden eingestellt, um die Urban-Farming-Fläche zu bewirtschaften.

Urban-Farming-Betreiber planen mit Profit

Die Betreiber rechnen mit etwa 1000 Kilogramm Ernte täglich, die verkauft werden soll. Ausgeliefert wird in Gemüsekisten an Privathaushalte, aber auch Supermärkte sollen beliefert werden.

"Das hat nichts mit dem kleinen romantischen Stadtgarten zu tun. Es geht auch ums Geld."
Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Frankreich

Nach etwa einem Jahr soll die Dachfarm Gewinn abwerfen. So der Plan von Agripolis, dem Betreiber der Farm. Kritisiert wird, dass Agripolis an große Supermarktketten liefern will, sagt Sabine Wachs.

Die Betreiber rechtfertigen ihre Profit-Pläne aber damit, dass sie unabhängig sein wollen, auch von Subventionen. Deshalb müssten sie eigenen Vertriebswege suchen. Das Ganze sei kein gemeinnütziges Projekt.

Tatsächlich ist die Dachfarm dafür auch zu teuer, sagt Sabine Wachs, wobei die genauen Kosten noch nicht feststünden.

Dachfarm ist eher was für Hipster

Die Dachfarm wird eher ein Projekt für Menschen, die es sich leisten können. Paris gilt ohnehin als eine der teuersten Städte Europas. Wer hier eine 50-Quadratmeter-Wohnung kaufen möchte, ist mit einer halben Million Euro dabei. Auch die Stadtgartenflächen, die auf den Messedächern vermietet werden, werden vermutlich teuer sein.

"Die, die sich eine Dachfarm leisten können, sind auch die, die Geld haben und in den Hipstervierteln von Paris leben."
Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Frankreich

Sabine Wachs findet es schade, dass die Dachfarm Leute, die es sich nicht leisten können, ausschließt. Denn genau jenen wäre geholfen gewesen, wenn sie ihr Obst und Gemüse selbst anbauen könnten, so die Frankreich-Korrespondentin.

Feinstaub könnte zum Problem des Urban-Farming-Projekts werden

Das Projekt zieht wegen seiner Größe mitten in einer Großstadt viel Aufmerksamkeit auf sich. Dabei wird sich erst zeigen müssen, ob Paris überhaupt geeignet ist für Urban-Farming, weil die Stadt ein großes Feinstaub-Problem hat.

"Paris liegt beim Feinstaub ständig über den Grenzwerten."
Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Frankreich

Laut der Betreiber wird der Feinstaub aber nicht zum Problem. Sie planen für den Anbau mit dem System der vertikalen Landwirtschaft, wonach die Obst- und Gemüsetöpfe übereinander gestapelt werden. Dabei werde keine Erde verwendet – so die Betreiber – sondern eine Nährstofflösung, mit der die Pflanzen entweder bestäubt werden, oder die sie über einen Beutel, der mit den Wurzeln verbunden ist, bekommen.