Bei einer Aktion in Stuttgart haben Aktivisten falsch geparkte Autos kurzerhand als Geschenke verpackt. Beschädigt wurde dabei nichts, aber ist das die richtige Reaktion auf das Parkchaos?

In Stuttgart sieht es in Sachen Parkplatz aus wie in vielen deutschen Städten: zu wenige Parkplätze, zu viele Autos und eine Menge Parkchaos. Anwohner in Stuttgart haben jetzt falsch geparkten Autos ein etwas zweifelhaftes Geschenk gemacht. Wagen, die auf Gehwegen und anderswo behindernd stehen, haben sie in Folie und Schleife verpackt, dazu einen Zettel mit der Aufschrift "Kannst du so parken, ist dann halt Scheiße".

Strafen und Geschenke

Einerseits herrscht Frust über blockierte Gehwege, sodass für Kinderwagen und Co kein Durchkommen ist. Andererseits sind Parkplatzsuchende ähnlich entnervt. Die Ausgangssituation ist nicht leicht. Auch nicht für Karen Rath, sie ist für das Stuttgarter Ordnungsamt auf die Suche nach Falschparkern. Rund 2000 Knöllchen werden durch Karen Rath und ihre Kollegen in Stuttgart verteilt - jeden Tag.

"Zugenommen hat, dass die Verkehrsteilnehmer verstärkt falsch parken. Und einfach wenn wir dann in die Diskussion kommen, dann halt auch den guten Ton halt vergessen."
Karen Rath, Ordnungsamt Stuttgart

Abschreckend wirke die Aussicht auf ein Knöllchen für die Falschparker längst nicht mehr, so Karen Rath: "Sie sagen sich:' Ok, wenn ich im Monat vielleicht drei, vier Mal erwischt werde, dann bin ich immer noch günstiger, als wenn ich hier jedesmal einen Parkschein gelöst hätte."

"Und dann gibt´s dann 'ganz tolle Menschen', die sich sogar noch nebeneinander stellen. Dann passt tatsächlich nicht mal mehr ein Kinderwagen durch. Und das ist natürlich sehr sehr gefährlich und auch sehr einschränkend."
Karen Rath, Ordnungsamt Stuttgart

Was aber, wenn nicht das Ordnungsamt oder Polizei zur Stelle sind und es kein Durchkommen gibt? Im Zweifel gilt auch hier, nicht direkt alle Geschütze aufzufahren. Das empfiehlt Andreas Hölzel vom ADAC. Denn Aktionismus kann sogar für die teuer werden, die eigentlich den Weg frei machen wollen.

"Wenn ein Falschparker im normalen öffentlichen Verkehrsraum steht - also auf der Fahrbahn, dem Gehweg oder Radweg parkt - dann ist alleine die Polizei befugt, einen Abschleppwagen zu rufen und das Abschleppen zu veranlassen. Nur die Polizei.”
Andreas Hölzel, ADAC

Wer also eigenmächtig einen Abschleppdienst ruft, muss den auch bezahlen. Bei der Stuttgarter Aktion stellt sich der Fall etwas komplizierter dar. Solange sich alles rückstandsfrei wieder entfernen lässt, droht in der Regel keine Strafverfolgung. Wird aber allein das Auspacken aufwändiger, kann das wieder anders aussehen.

Falschparker melden per App

Wer selbst nun nicht so richtig weiß, was er tun soll, wenn ein Auto den Weg versperrt, kann auf Apps wie Wegeheld zurückgreifen. Sie funktionieren folgendermaßen: Foto machen, Standort schreiben, ein bisschen Text dazu und dann wird alles direkt zum Ordnungsamt geschickt. 

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Für den App-Erfinder Heinrich Strößenreuther hat das mit Petzen oder Denunziantentum nichts zu tun. "Es geht so ein bisschen um die Idee der nachbarschaftlichen Konfliktlösung. Wenn jemand dauernd Lärm macht, dann spricht man ihn nett und freundlich an, steckt ihm einen Zettel zu oder informiert die Hausverwaltung". Nichts anderes macht diese App." 

Wie wir beim Parken und auch auf Falschparker reagieren, bleibt also erstmal ganz individuell. Knifflig wird es oft erst, wenn es alle machen: Und das gilt fürs Melden, für kreative Anti-Park-Aktionen und das Falschparken.