POC-PCR-Tests liefern innerhalb weniger Minuten konkrete Diagnosen. Aktuell werden sie noch genutzt, um auf das Coronavirus zu testen. Die PCR-Schnelltests erkennen aber alle möglichen Erreger. Für Krankenhäuser und Arztpraxen können sie nützlich sein – auch nach der Pandemie.

Seit der Corona-Pandemie wissen wir: PCR-Tests geben zuverlässig Auskunft darüber, ob wir uns mit dem Coronavirus angesteckt haben oder nicht. Auf das Ergebnis müssen wir aktuell mehrere Stunden beziehungsweise Tage warten, weil Labore die Proben in einem aufwendigen Verfahren auswerten.

Es gibt mittlerweile aber auch Maschinen, so groß wie ein Schuhkarton, die PCR-Schnelltests durchführen. Das sind die sogenannten POC-PCR-Tests. Die Abkürzung POC steht für "Point of Care", was bedeutet, dass die Proben vor Ort statt in einem Labor ausgewertet werden – eben von den kleinen Maschinen. Die funktionieren vollautomatisch und liefern das Testergebnis in rund 15 Minuten.

POC-PCR-Test für alle Erreger

In Testzentren an Flughäfen sind die Maschinen mit den POC-PCR-Tests schon fast seit Beginn der Pandemie im Einsatz, um auf eine Coronavirus-Infektion zu testen. Die Geräte stehen inzwischen auch in manchen Apotheken und Krankenhäusern. In der Notaufnahme ist dann innerhalb weniger Minuten klar, ob Patient*innen Corona-positiv sind.

Besonders für Krankenhäuser und Arztpraxen könnten POC-PCR-Tests auch über die Corona-Pandemie hinaus eine entscheidende Hilfe sein. Denn: Die Express-PCR-Tests können alle möglichen Erreger erkennen, nicht nur Sars-CoV-2.

"Die Idee gibt es seit den 90ern. In der Corona-Pandemie ist die Entwicklung explodiert. Heute gibt es mindestens 30 Hersteller, die solche Diagnose-Maschinen im Angebot haben."
Piotr Heller, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dafür arbeiten die Maschinen mit unterschiedlichen Kartuschen, die an Druckerpatronen erinnern. Sie enthalten Chemikalien, mit denen die Maschine bestimmte Infektionen erkennt – je nachdem, was man nachweisen will.

Auf dem Markt gibt es aktuell Kartuschen die neben Sars-CoV-2 zum Beispiel auch Grippeviren, HIV, Noroviren, antibiotikaresistente Bakterien oder Chlamydien erkennen können. Der größte Hersteller der Kartuschen bietet aktuell 40 verschieden Typen.

Die Maschine behandelt die Probe dann auf dem Stäbchen vor, reinigt das Viren-Erbgut, das die Probe enthalten könnte und vervielfacht es. Im Anschluss kann sie eine Infektion nachweisen. Das sind eigentlich Schritte, die in Großlaboren passieren.

"In einem Fachartikel von Laborärzten stand neulich: 'Die noch bis vor wenigen Jahren als Science-Fiction-Szenario bezeichneten Analysesysteme werden heute in vielen Krankenhäusern und Arztpraxen zur Realität.'"
Piotr Heller, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bei einer durch Viren oder Bakterien verursachten Hirnhautentzündung zum Beispiel kommt es auf jede Minute an. Auch Infektionen durch antibiotikaresistente Keime, die für Krankenhäuser ein großes Problem sind, können mit POC-PCR-Tests schneller aufgedeckt werden.

Schnelle und konkrete Diagnosen können auch in Arztpraxen nützlich sein. Ärzt*innen können mithilfe der POC-PCR-Tests dann genau wissen, welches Virus zum Beispiel einen grippalen Infekt bei ihren Patient*innen verursacht hat. Bisher bleibt in den meisten Fällen unklar, ob sich hinter den Erkältungssymptomen Rhinoviren, Adenoviren, eine Influenza oder sogar Bakterien verstecken.

POC-Tests sind nur in geringen Mengen verfügbar

Der Hausärzteverband geht allerdings davon aus, dass Arztpraxen in Zukunft eher keine der Maschinen bei sich stehen haben, erzählt Piotr Heller. Denn: Laut Hausärzteverband sei eine Diagnose-Technik nur dann sinnvoll, wenn sich daraus konkrete Folgen für die Behandlung ergeben.

Das bedeutet: Bei einer Grippe oder Erkältung bliebe die Behandlung gleich, unabhängig davon, welches Virus sie ausgelöst hat. Die Fälle, in denen es darauf ankommt, die genaue Krankheit zu kennen, würde das Labornetz auffangen können. Nur eben in mehreren Stunden nicht Minuten. In Krankenhäusern macht die Technologie also mehr Sinn.

Gegen den Einsatz von POC-PCR-Tests sprechen zum einen die Kosten, zum anderen die Verfügbarkeit der Test-Chemikalien. In Deutschland können pro Jahr zurzeit rund sieben Millionen Kartuschen produziert werden. Die Labore führen auf klassischem Weg zurzeit zwei Millionen Tests pro Woche durch.

"Vor allem für Krankenhäuser könnte die Technik interessant sein: Antibiotikaresistente Keime sind ein Riesenproblem in Kliniken. Die könnte man damit verfolgen und schnell bekämpfen."
Piotr Heller, Deutschlandfunk-Nova-Reporter