Im Slum Kibera im Südwesten von Kenias Hauptstadt Nairobi gibt es bei weitem nicht genug Toiletten für alle Menschen, die dort leben. Deshalb entsorgen sie ihr großes Geschäft in schwarzen Plastiktüten. PeePoople hat eine Tüte entwickelt, die sich kompostieren lässt - damit die Slums sauberer werden.

Die Häuser stehen dicht gedrängt, eine Kanalisation gibt es nicht, dafür aber jede Menge Müll auf den Straßen. Die Kinder von Kibera leiden extrem häufig an Durchfall. In der Schule kommt es zu enormen Fehlzeiten, weil immer wieder Cholera ausbricht. Das liegt vor allem daran, dass es für die Menschen in Kibera nicht genügend Toiletten gibt: Es ist einfach kein Platz mehr da. Deshalb machen die Menschen dort ihr großes Geschäft in schwarze Plastiktüten, die sie heimlich irgendwo in die Gegend werfen.

"Das ist noch unangenehmer in der Nacht. Wenn man da raus geht, dann ist es stockdunkel. Dann kommt es zu Raubüberfällen und Vergewaltigungen."
Linda Staude, Korrespondentin in Nairobi

Das Projekt PeePoople hat eine ungewöhnliche Lösung gefunden. Sie verkaufen Tüten, die einfach über einen Eimer oder eine Blechtonne gehängt werden können. Nach dem Geschäft wird einfach ein Knoten in die Tüte gemacht und fertig. Das Besondere an den Tüten von PeePoople: Sie sind kompostierbar. Die Fäkalien verwandeln sich über sechs bis acht Wochen in Dünger.

Die Plastikeimer und Peepoople Tüten in einem begehbaren Container
© Linda Staude | DRadio Wissen
So sehen die Peepoople-Toiletten in Kibera aus: Ein begehbarer Container mit Plastikeimer und Peepoople-Tüten.

Damit die Menschen ihre Tüten nicht mehr einfach in die Gegend werfen, gibt es außerdem einen Abholservice. Der sammelt die Tüten ein, kompostiert sie und gibt den Kompost dann in die Landwirtschaft weiter, wo er als Dünger auf die Felder kommt. Die Tüten werden für drei Cent an die Menschen verkauft. Wenn sie die Tüten gefüllt zurückgeben, bekommen sie einen Cent zurück - als Pfand sozusagen.

Vor allem Schulen profitieren

Die Einnahmen aus dem Verkauf der Tüten finanziert das Projekt allerdings nicht. PeePoople ist deswegen auf Spenden angewiesen. Für die Menschen in Kibera ist PeePoople aber eine echte Alternative. Vor allem an Schulen wird die Tütentoilette eingesetzt und hat dort für massive Verbesserungen gesorgt. Weil die Kinder nicht mehr einfach in irgendeine Ecke machen müssen und sich dadurch gegenseitig mit Krankheiten anstecken, haben sich die Fehlzeiten drastisch reduziert. Das heißt: Die Kinder leiden wesentlich seltener an Durchfällen oder Cholera.

Außerdem verbessert sich die Qualität des Trinkwassers, wenn nicht mehr so viele Fäkalien über den Boden ins Grundwasser gelangen. Auch hierüber verbreiten sich häufig Krankheiten, weil die Menschen in den Slums das Wasser nicht abkochen können. Holzkohle ist einfach zu teuer. Elektrischen Strom gibt es erst gar nicht.

Ausführlicher Hintergrund zu Peepoople: