Nur weil Pflanzen keine Ohren haben, heißt das noch lange nicht, dass sie keine Geräusche wahrnehmen können.

Forscher der University of Western Australia konnten in einer kürzlich veröffentlichten Studie nachweisen, dass Pflanzen in der Lage sind, Geräusche wahrzunehmen. Sie fanden heraus, dass die Wurzeln von Erbsenkeimlingen eine Wasserquelle ausmachen konnten. Offenbar sind die Pflanzen in der Lage, die Vibration des fließenden Wassers wahrzunehmen. Denn: Die Keimlinge wuchsen in die Richtung, aus der das Wassergeräusch kam.

Ähnliches konnte auch schon der Biologe Frantisek Baluska von der Universität Bonn nachweisen. In einem Versuch beschallte er Keimlinge der Acker-Schmalwand mit verschiedenen Schallwellen. "Wir haben festgestellt dass bei 200 Hz, das ist ungefähr die Frequenz von Wasserstrom, die Pflanzen irgendwie adrahiert waren, das heißt sie wachsen Richtung Schall."

Ob Pflanzen wirklich eine Art Ohren haben, das wissen die Forscher noch nicht. Sie gehen aber davon aus, dass die Pflanzen an der Spitze eine sensorische Region haben und ihre Wachstumsrichtung dementsprechend ändern können.

Wachsen, wenn es brummt

Andere Biologen fanden sogar heraus, dass Pflanzen unterscheiden können, woher die Geräusche kommen, die um sie herum schwirren. Eine Studie aus dem Jahr 2014 kam zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass die Acker-Schmalwand zwischen Wind und den Kaugeräuschen von Raupen unterscheiden kann. Während der Wind die Pflanze kalt ließ, reagierte die Pflanze auf die Kaugeräusche, indem sie mehr Abwehrstoffe produzierte. Bei anderen Pflanzen konnte nachgewiesen werden, dass summende Bienen die Fruchtbarkeit steigern: Die Pflanzen produzierten in dem Versuch mehr Blütenstaub, wenn es richtig brummte.

Inwiefern es jetzt aber auch etwas bringt, wenn wir mit unserer Pflanze reden oder ihr Musik vorspielen – das ist noch nicht ganz klar.

"Man kann nur sagen, dass die Pflanze so empfindlich ist, dass die irgendwie auf unsere menschliche Stimme reagiert. Aber ob sie etwas versteht, das kann man nicht sagen."
Biologe Frantisek Baluska von der Universität Bonn