Blumen sind ganz schön bunt, oder? Stimmt so nicht. Die meisten Blüten sind weiß oder gelb, eher selten kommen dagegen blaue Blüten vor. Um herauszufinden, warum diese Farbe in der Blumenwelt so so schwer zu finden ist, haben Forschende mit den Augen der Bienen darauf geschaut.

Ungefähr 7 Prozent der Blumen blühen blau beziehungsweise nimmt der Mensch als blau wahr. Ein internationales Forschungsteam der australischen Monash University und der Universität Bayreuth wollte wissen, warum es nicht mehr Pflanzen mit blauen Blüten gibt und ob die Farbe für sie ein Vorteil oder Nachteil ist.

Bienen bestäuben blaue Blumen besonders gerne

Denn: Bienen stehen besonders auf blaue Blüten. Sie sehen Farben anders als Menschen und nehmen die Farbe rot beispielsweise kaum wahr – dafür reagieren sie auf Blautöne eben besonders intensiv. Und weil Pflanzen Bienen zum Bestäuben brauchen, wären blaue Blüten für die Blumen ein Vorteil.

Auch die Analyse einer Pflanzendatenbank machte deutlich: Bienen und andere Insekten, aber auch Vögel bestäuben fast alle blaue Blumen. Nur bei den wenigsten von ihnen kommt es zu einer Bestäubung – also Fortpflanzung – durch Wind oder Regen. Die Bienen beeinflussen daher auch die Evolution der blauen Blumen.

Blaue Farbe schwer herzustellen

Weil es für die Pflanze aber relativ aufwendig ist, die Farbe zu produzieren, gibt es nur wenige von ihnen. Laut der Studie wachsen blau blühende Blumen daher häufig an Orten, wo

  • es viele Nährstoffe gibt, die bei der Farbstoffproduktion helfen,
  • sie mit vielen anderen Blumen konkurrieren,
  • oder es nur wenige Bestäuber gibt.

Letzteres ist gerade in Hochgebirgen wie dem Himalaja oder den Alpen der Fall, weil die Bienen mit dem Klima dort weniger gut zurechtkommen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper. Hier müssen Pflanzen wie Enzian oder Blauer Mohn besonders auf sich aufmerksam machen, damit die Bienen sie bestäuben.

Blau blühender Tibet-Scheinmohn.
© IMAGO / blickwinkel
Blau blühender Tibet-Scheinmohn.
"Das Ganze zeigt laut den Forschenden übrigens auch: Wenn wir Evolution verstehen wollen, dann müssen wir Menschen ab und zu auch einen anderen Blickwinkel einnehmen. So wie hier eben den Blickwinkel der Bienen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk Nova