• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Pflanzen, Obst, Gemüse – es ist noch nicht zu spät für euren grünen Balkon, eure Terrasse oder euren Garten. Weil April und Mai deutlich kühler waren als die letzten Jahre, ist eigentlich jetzt erst die Zeit, um Setzlinge nochmal umzutopfen. Doch welche Erde sollte es sein?

Wenn die Erde möglichst umweltfreundlich sein soll, solltet ihr beim Kauf vor allem auf ein Stichwort achten: Torf. Torf hat zwar positive Eigenschaften: Er ist faserig und locker, sodass Luft und Wasser gut an die Wurzeln der Pflanzen kommen.

Besser kein Torf

Das Problem an Blumenerde mit Torf ist allerdings: Beim Torfabbau werden Lebensräume von Pflanzen und Tieren zerstört. Außerdem ist Torf schlecht fürs Klima, berichtet Anke van de Weyer von Deutschlandfunk Nova.

"Beim Torfabbau werden Lebensräume von Pflanzen und Tieren zerstört. Und er ist schlecht fürs Klima."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Torf entsteht in Hochmooren und ist eine Form von Humus. Um an den Torf zu kommen, müssen die Moore trockengelegt und die Oberfläche abgetragen werden. Damit werden wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere zerstört – und es entsteht CO2. Außerdem sind die Moore ein sehr guter CO2-Speicher, der dann ebenfalls wegfällt, wenn die Moore verschwinden. Aus all diesen Gründen ist der Torfabbau in Deutschland auch stark reglementiert.

Torfmoos als Alternative?

Verschiedene Forschungsprojekte, etwa an der Uni Greifswald, untersuchen, ob auf lange Sicht Torfmoos eine Alternative zum Torf sein könnte. Dieses besitzt nämlich ähnliche Eigenschaften wie der Torf, kann aber unproblematischer angebaut werden. Beim Kauf von Blumenerde solltet ihr darauf achten, dass nicht nur "torfarm", sondern tatsächlich auch "torffrei" auf der Packung steht. Ein Label wie "Bio" sagt bei Erde erstmal nicht wirklich etwas aus, so Anke van de Weyer.

Erde selber mischen

Generell könnt ihr euch eure Pflanzerde natürlich auch einfach selbst zusammenmischen. Wenn ihr euch die einzelnen Bestandteile selbst zusammenstellt, hat das nicht nur den Vorteil, dass ihr wisst, was drin ist, sondern auch den, dass ihr eure Erde darauf abstimmen könnt, was eure Pflanzen brauchen. Anleitungen dazu finden sich im Netz, zum Beispiel beim Nabu.

"Wenn ihr eure Pflanzerde selbst zusammenstellt, wisst ihr, was drin ist, und könnt sie darauf abstimmen, was eure Pflanzen brauchen."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Als Grundlage braucht ihr lehmhaltige Gartenerde und nährstoffreichen, reifen Kompost. Wenn ihr den nicht selbst herstellt, gibt es ihn auch zu kaufen: im Bau- oder Pflanzenmarkt, aber auch bei vielen städtischen Abfallbetrieben. Dazu kommt dann noch was zum Auflockern, da könnt ihr feinkörnigen Kies nehmen oder Perlit – das sind so kleine weiße Kügelchen, die ihr ebenfalls im Baumarkt bekommt.

Zum Schluss kommen dann noch Kokosfasern dazu. Diese werden meistens in Blöcken gepresst geliefert und werden dann in Wasser aufgelöst. Auch vielen fertig gemischten Pflanzerden wird als Torfersatz Kokossubstrat zugesetzt. Als Alternative zu Torf ist das zwar besser – aber auch Kokossubstrat oder Kokosfasern können unter Umständen problematisch sein, erklärt Anke van de Weyer.

Auch Kokoserde kann problematisch sein

Die Fasern bestehen aus der Rinde von Kokospalmen und sind ein Abfallprodukt, das ist erstmal gut. Allerdings wachsen die Palmen vor allem in asiatischen und südamerikanischen Ländern, also nicht um die Ecke. Deswegen hat man weite Transportwege. Weil Kokos gerade eine hohe Nachfrage hat, wird für die Kokosplantagen zudem immer wieder auch Regenwald abgeholzt. Außerdem werden die Palmen in Monokulturen angebaut, was für die biologische Vielfalt nicht gut ist. Und: Auch die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sind oft nicht die besten.

Es gibt aber auch Kokoserde mit Zertifizierung, bei der auf genau diese Punkte geachtet wird. Wem das wichtig ist, der sollte bereit sein, ein bisschen mehr zu zahlen.

Pflanzerde recyclen?

Wenn ihr Erde aus dem letzten Jahr noch Mal benutzen wollt, müsst ihr auf Folgendes achten: Generell wird Erde nicht besser, je häufiger ihr etwas dort einpflanzt. Was aber möglich ist: In eine Erde, in der "Starkzehrer" wie Tomate oder Gurke drin waren, die viele Nährstoffe aus der Erde ziehen, könnt ihr im Folgejahr "Schwachzehrer" wie etwa Bohnen, Rucola oder verschiedene Kräuter reinsetzen. Achtung: Basilikum gehört nicht dazu. Außerdem könnt ihr die Erde natürlich auch mit Dünger wieder aufpimpen.