Die Proteste im Iran wurden von Sicherheitsleuten vielerorts brutal niedergeschlagen. Journalist Stephan Orth war zweimal für längere Zeit im dem Land und weiß, dass sich die Iraner hinter verschlossener Tür ein Stückchen Freiheit zurückerobern.

Kaum war er zum ersten Mal im Iran gelandet, merkte Stephan Orth, dass sein Bild vom Iran und die Realität vor Ort sich sehr stark voneinander unterscheiden. Seine Couchsurfing-Gastgeber haben ihn direkt nach der Ankunft in die Berge im Norden Teherans mitgenommen. Dort erlebte der Journalist und Buchautor, wie es Iranern gelingt, sich die Freiheiten zu nehmen, die für uns hier selbstverständlich sind. 

Auf 2.000 Metern Höhe hatten die Frauen keine Angst mehr vor der Sittenpolizei und nahmen ihre Kopftücher ab. Dann rodelten sie auf Plastiktüten die schneebedeckten Hänge hinunter. In seinem Reiseführer "Couchsurfing im Iran - Meine Reise hinter verschlossene Türen" und in seinem Bildband "Iran - Tausend und ein Widerspruch" hat er seine Eindrücke festgehalten.

"Auf der ersten Reise kam ich zwei Wochen lang nicht aus dem Staunen heraus. Ich habe gedacht, dass es eine Reise zu religiösen Sehenswürdigkeiten und interessanter Architektur wird. Es wurde dann aber eher "Fear and Loathing" im Iran."
Stephan Orth, Journalist und Buchautor

Der Journalist feierte mit jungen Iranern, hinter verschlossener Tür wurde Alkohol getrunken, gekifft und getanzt. Stephan zog mit zwei Studentinnen durch die Gegend - im Iran ist es schon ein No-go, sich als fremder Mann mit Frauen in einem Raum aufzuhalten. 

Er konnte erleben, wie stark sich das Leben hinter verschlossenen Türen vom Alltag in der Öffentlichkeit unterscheidet. Teils eine klaustrophische Erfahrung für den Buchautoren, der wusste, dass er und seine Gastgeber sich auf keinen Fall erwischen lassen durften. Denn wer gegen die Regeln des Landes verstößt, riskiert Sanktionen, schlimmstenfalls eine Gefängnisstrafe. 

"Die Leute riskieren wirklich ihr Leben"

Einer der Auslöser für die aktuelle Protestwelle im Land waren die Preise für Eier, die immens angestiegen sind. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist einer der Hauptgründe, weshalb vor allem junge Iraner unzufrieden sind. Seit dem Atom-Abkommen ginge es dem Iran zwar wirtschaftlich besser, aber bei den einfachen Leuten komme das nicht an, sagt Stephan. Deswegen entsteht in Teilen der Bevölkerung das Gefühl, dass sich die Regierung bereichere. Er glaubt, dass die Leute zum Teil wirklich verzweifelt sein müssen, wenn sie bereit sind bei Protesten Gefängnisstrafen oder ihr Leben zu riskieren. 

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