Forschende haben eine Art künstliche gefühlsechte "Haut" entwickelt, die sich über einen Computer steuern lässt. Sie wird wie ein Pflaster auf die eigene Haut aufgeklebt.

Die neue Technologie kommt aus Labors in China und den USA: In einem Video, in dem die künstliche "Haut" vorgestellt wird, sehen wir wie ein Vater seinem Kind ein handtellergroßes Pflaster auf den Rücken klebt. Die Mutter des Kindes ist an einem Ort und nur per Video zugeschaltet. Auf dem Bildschirm der Mutter ist die grafische Darstellung einer Hand zu sehen. Die Zeitschrift Nature berichtete über die neue Technologie.

Berührungen per Radiowellen und Magneten übertragen

Wenn die Mutter mit ihren Fingern über die Hand auf ihrem Touchscreen streicht, lächelt das Kind: Es spürt die Berührung, die mithilfe von Funkwellen auf das Pflaster übertragen wird. In den Pflastern sind nämlich kleine Antennen enthalten, die die Wellen empfangen und damit kleine Magneten steuern. Dadurch vibriert die künstliche "Haut", die auf dem Rücken des Kindes klebt und es "fühlt" die Berührung seiner Mutter.

"Dann könnte ich mir das schon vorstellen, dass man sich für Computerspiele neben Controller und VR-Brille auch noch solche Pflaster dazukaufen kann"
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten
Grafik Verschiedene künstliche Hautschichten übereinander
© North Western University
Eine Darstellung des Aufbaus der künstlichen "Haut" von der North Western University.

An dieser Technologie wird schon seit längerer Zeit geforscht: Bisher wurden ferngesteuerte Berührungen mit leichten Stromschlägen simuliert. Allerdings brauchten frühere Geräte einen Stromanschluss oder Batterien und es hingen viele Kabel daran. Diese Technik war eher klobig, die neue Technologie zeichnet sich durch ihre schmale Form aus und dadurch, dass sie keine Stromquelle benötigt.

Radiowellen-System braucht noch sehr viel Strom

Die Kunsthaut ließe sich aber auch anders einsetzen, zum Beispiel in Virtual-Reality-Computerspielen. Es gab schon Tests mit einem Probanden, der diese Pflaster mit Sensoren an mehreren Stellen an seinem Körper trägt. Der Spieler kann dann, auf diese Art ausgerüstet, Schläge spüren, die er während des Spielens virtuell abbekommt.

Auch für Menschen mit einer Prothese wird geforscht: Mithilfe eines Pflasters könnten sie wieder spüren, wenn sie mit ihrer Armprothese einen Gegenstand berühren. Die künstliche "Haut" verbraucht allerdings noch Strom und muss noch optimiert werden, bevor sie alltagstauglich ist und eingesetzt werden kann.

"Es gibt diverse Crowdfunding-Projekte für Gaming-Westen oder Anzüge, die Vibrationen übertragen."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten