Pflegenotstand in Deutschland: Wegen der harten Bedingungen des Berufs wollen immer weniger Deutsche eine Ausbildung in der Pflege machen. Nun soll ein Programm der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit die Lücke stopfen – mit jungen Menschen aus Vietnam. 

Lange Arbeitszeiten, Schichtdienst, körperlich anspruchsvolle Arbeit - der Job von Pflegekräften ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Bis 2030 sollen laut sollen laut Prognosen des Deutschen Pflegerats bis zu 300.000 Pflegekräfte fehlen. Dabei wird die Bevölkerung älter – und dadurch gibt es auch immer mehr Pflegebedürftige.

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Teil der Lösung des Dilemmas sollen nun junge Vietnamesinnen und Vietnamesen sein – wie der 23-jährige Thanh Nguyen. Er hat sich auf ein Programm der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beworben und ist seit drei Monaten in Deutschland. Im Ludmillenstift im niedersächsischen Meppen macht er eine Ausbildung zum Krankenpfleger. 

Pflege in Vietnam und Deutschland: Vollkommen anderes Berufsbild

Thanh ist hochqualifiziert: In Vietnam hat er Krankenpflege studiert. Trotzdem war es für ihn schwierig, eine Arbeit zu finden. Die Ausbildung in Deutschland ist für ihn eine Riesenchance. Will er bleiben, hat er hier nach der Ausbildung sehr gute Jobchancen. Will er nach Vietnam zurück, würde er auch dort mit der Zusatzqualifikation aus Deutschland leichter an Arbeit kommen. 

Das Projekt soll ein Triple-Win sein

Von dem Projekt haben nicht nur die Deutschen etwas. Auch die vietnamesische Regierung wirbt offensiv für das Programm. Die vietnamesischen Pflegekräfte sollen dadurch technisches Know-How zurück nach Vietnam bringen. Florian Krins vom GIZ spricht von einem Triple-Win, also einem Gewinn für alle Beteiligten. Allerdings ist das Berufsbild des Krankenpflegers in Vietnam ein völlig anderes als in Deutschland:

"In Vietnam nehmen wir Blut ab, verabreichen die Medikamente und übernehmen viele Aufgaben der Ärzte. Und hier geht es eher um die Grundpflege: Wir waschen die Patienten, bringen das Essen und begleiten die Patienten auf die Toilette."
Thanh Nguyen, Auszubildender in der Krankenpflege

Für die Auszubildenden aus Vietnam war das ein bisschen überraschend. Aber sie haben sich schnell angepasst. Und machen die Arbeit ohne Murren, trotz ihrer zierlichen Körperstatur. Sie schieben Patienten in den OP, helfen ihnen beim Ankleiden, beim Duschen, beim Gang auf die Toilette. Thanh selbst ist nur 1,45 Meter groß - also selbst für einen Vietnamesen recht klein. Aber er ist fest entschlossen, die Ausbildung zu schaffen und danach in Deutschland zu bleiben.

„Hier in Deutschland sind die Menschen freier, ich fühle mich hier freier.“
Thanh Nguyen, Auszubildender in der Krankenpflege

Auch wenn er seine Eltern und seine Geschwister im fernen, kommunistischen Vietnam vermisst - für die Freiheit hier in Deutschland nimmt Thanh alle Schwierigkeiten auf sich.