Christoph Diekhans war 2016 auf den Philippinen, um dort auf einer Drogen-Entzugs-Farm, einer Fazenda, zu arbeiten. Dort hat er nicht nur intensive Einblicke in den Drogenkrieg bekommen, sondern auch viele neue Freundschaften knüpfen können.

Der Tag auf einer philippinischen Fazenda ist lange: Kurz vor fünf wird aufgestanden, nach einem kleinen Reisfrühstück gibt es eine kurze Besprechung mit allen. Um sechs Uhr beginnt die Arbeit auf den Reisfeldern, im Garten oder bei den Tieren. Um sieben Uhr abends ist Abendessenszeit.

2016 hat Christoph Diekhans aus Rietberg auf einer dieser Fazendas als Freiwilliger gearbeitet. Dabei hat er nicht nur viel über den Drogenkrieg auf den Philippinen erfahren, sondern auch gelernt, dass im Endeffekt doch alle Menschen gleich sind.

Die Botschaft: Ihr seid nicht alleine

Zusammen mit fünf bis sechs anderen Helfern hat Christoph auf der Fazenda den Alltag von circa 25 Drogenabhängigen begleitet. Da Christoph wie alle anderen aufgestanden ist und mitgearbeitet hat, konnte er den Jungs zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine gelassen werden und es Menschen gibt, die sich für ihr Schicksal interessieren, erzählt er.

"Für die Jungs war das ganz wichtig zu sehen: Guck mal, das sind auch noch andere, die sich für uns interessieren und wir sind hier nicht alleine."
Christoph Diekhans, arbeitete als Freiwilliger auf einer philippinischen Drogen-Entzugs-Farm

Viele der jungen Männer haben auf der Farm einen kalten Entzug durchgemacht, erzählt Christoph. Die meisten hatten noch zwei, drei Tage zuvor Drogen konsumiert - vor allem Shabu. So nennen die Philippinen Crystal Meth. Den Drogenkonsum konnte man ihnen deutlich ansehen, sie sahen mager aus, hatten schlechte Zähne oder eingefallene Wangen. Nach den ersten zwei bis drei Monaten waren die Verbesserungen aber schon sichtbar, erzählt Christoph.

Viele besondere Freundschaften

"So krass" hatte sich Christoph seinen Aufenthalt zu Beginn nicht vorgestellt. Doch seine anfängliche Angst oder Skepsis ist schnell vorbei gewesen. Denn viele der jungen Männer waren sehr offen zu ihm, haben sich gleich nach seinem Ankommen vorgestellt und ihm viele intime Dinge anvertraut. Christoph erzählt, dass er sich direkt am ersten Tag mit mehreren Leuten sehr gut verstanden hat. Warum sie auf die Fazenda gekommen sind, das hat er nie gefragt. Für ihn waren die jungen Männer alle gleich.

"Es war interessant zu sehen, dass doch alle gleich sind. Auch, wenn der eine eine kriminelle Vergangenheit hat und der andere nur eine Depression hatte."
Christoph Diekhans, arbeitete als Freiwilliger auf einer philippinischen Drogen-Entzugs-Farm

Einige Freundschaften hat Christoph bis heute erhalten können. Auch bei seinem zweiten Aufenthalt im Jahr 2018 hat er einen seiner ehemaligen Jungs zuhause auf der eher unbekannten Insel Samar Island besucht.

Für den jungen Mann war das eine ganz besondere Ehre, denn durch den Drogenkonsum ist sein Ansehen in seiner Familie stark gesunken. Nach dem Besuch von Christoph war die Familie so erstaunt darüber, dass ein Europäer ihren Sohn besucht, dass sein Ansehen wieder gestiegen sei, erzählt Christoph.

Rodrigo Dutertes Kampf gegen die Drogen

Kurz bevor Rodrigo Duterte im Jahr 2016 Präsident wurde und seinen Krieg gegen den Drogenkonsum startete, hatte Christoph seinen ersten Aufenthalt auf der Fazenda. Als er 2018 wieder kam, fiel ihm gleich auf, dass auf den Straßen Manilas deutlich weniger Drogenabhängige zu sehen waren. Doch der Schein trügt, sagt Christoph. Denn auf der Farm hat er erfahren, dass die Drogen immer noch genauso stark konsumiert werden. Doch anstatt nun offensichtlich auf einer Straße Drogen zu nehmen oder zu verkaufen, verlagern sich die Dealer und Konsumierenden in die privaten Räume.

"Sie haben erzählt, dass die Drogen immer noch genommen werden, nur nicht mehr so offensichtlich. Früher haben sie die Drogen auf der Straße genommen, jetzt verziehen sie sich in irgendein Zimmer und verstecken sich halt."
Christoph Diekhans über den geheimen Drogenkonsum der Philippinen

Viele der Drogenanhängigen gehen auch deshalb freiwillig auf eine der Drogen-Entzugs-Farmen, da sie Angst davor haben, von der Polizei ermordet zu werden. Denn wer auf den sogenannten Drug-Watchlists der Polizei landet, darf ohne Konsequenzen erschossen werden. Nach einem erfolgreichen Aufenthalt in einer der Fazendas haben die jungen Männer die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen, der ihren Namen von den Listen löscht.

Im Interview mit Rahel Klein erzählt Christoph Diekhans außerdem, warum einer der jungen Männer der Drogen-Entzugs-Farm eine alte Sporthose von Christoph Tag und Nacht bei sich getragen hat und wie Christoph auf der Fazenda zum Street-Basketball-Profi geworden ist. Er berichtet außerdem darüber, wie sich der Drogenkrieg Dutertes auf die Gefängnisse des Landes ausgewirkt hat und wie dort der Alltag aussieht.