Liebe, Wohlstand, fließendes Wasser – was sich Menschen unter Glück vorstellen, ist sehr unterschiedlich. Was uns aber eint: Wir alle streben nach Glück – jeder und jede auf seine oder ihre Weise. Der Philosoph Franz Josef Wetz empfiehlt dabei vor allem Gelassenheit. Denn dauerhaftes Glück kann es nicht geben. Schon allein, weil unser Körper dafür nicht gemacht ist.

Egal, was euch glücklich macht – Glück kann niemals von Dauer sein, sagt Franz Josef Wetz. Das liege nicht nur an unseren mitunter überhöhten Vorstellungen vom Glück, meint er. Schuld sei auch die Biologie. Unser Gehirn sei nämlich gar nicht in der Lage, ein dauerhaftes Glücksgefühl zu erzeugen, erklärt der Philosoph in seinem Vortrag.

"Jedes Glück ermattet über kurz oder lang an sich selbst."
Franz Josef Wetz, Philosoph

Unser Gehirn reagiere auf Glückszustände wie auf Suchtmittel: Das Belohnungszentrum wird aktiviert, körpereigene Opiate ausgeschüttet. Und dabei gibt es einen Gewöhnungseffekt. Neurologisch heißt das: Glück ist nicht als Dauerzustand angelegt.

Und das ist gut so, denn sonst würden wir wohl irgendwann nach nichts mehr streben. So wie die Ratten in jenem Experiment, mit dem das Belohnungssystem erstmals nachgewiesen wurde: Die Versuchstiere konnten das Zentrum selbst stimulieren – und haben darüber sogar Essen und Trinken vergessen, bis zum Zusammenbruch.

"Welchem Versprechen auf Glück man auch immer trauen möchte: Auf alle Fälle ist es zur Reduzierung der Glücksrisiken klug, die eigenen Glückswünsche kritisch zu überprüfen."
Franz Josef Wetz, Philosoph

Keine Sorge – das heißt nicht, dass wir nicht glücklich sein können. Wie das mit dem Glück funktionieren könnte, verrät Philosoph Franz Josef Wetz in seinem Vortrag. Dafür sucht er zunächst nach einer Definition des Glücks: unter anderem bei den alten Griechen, in der Weltliteratur oder in der Biologie. Auf dieser Basis baut er dann seine Thesen zum Glücklichsein auf.

"Glück ist erfüllte Leichtigkeit."
Franz Josef Wetz, Philosoph

Weil der Wunsch nach dauerhaftem Glück nur enttäuscht werden kann, rät Franz Josef Wetz unter anderem dazu, die eigenen Glücksziele auf den Prüfstand zu stellen und gelassen mit dem Glück umzugehen – genauso wie mit Unglück. Nur so erreichen wir seines Erachtens zumindest Zufriedenheit und Offenheit für Glücksmomente oder sogar Glücksphasen.

Franz Josef Wetz lehrt Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und leitet das dortige Institut für Humanwissenschaften. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Kultur- und Naturphilosophie, dabei insbesondere die Frage, welche Konsequenzen die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften für das menschliche Selbst- und Weltverständnis haben. Franz Josef Wetz hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter auch zum Thema Glück. Sein jüngstes Buch heißt "Tot ohne Gott". Seinen Vortrag "Dirigenten des Glücks" hat er extra für den Hörsaal im Studio eingesprochen. – Und was macht den Philosophen persönlich glücklich? Drei S, verrät er nach dem Vortrag: Schreiben, Sport und Sex.