Lisa Herzog ist auf einer Mission. Sie will dafür sorgen, dass die digitale Transformation gute Arbeit nicht zerstört. Um dieses Ziel zu erreichen, wirft sie ein paar unbequeme Fragen auf.

"Die Arbeitswelt, wie sie heute besteht, soll gar nicht übernommen werden", sagt Lisa Herzog. Sie ist Professorin für politische Philosophie an der Technischen Universität München. Eine entscheidende Frage, die zu selten beim Thema Arbeit gestellt wird, sei: "Wer hat die Macht?" Echte Partizipation sei eher die Ausnahme als die Regel. Im Zweifel läge die entscheidende Stimme immer beim Kapital. Doch genau das müsse sich ändern, um die digitale Transformation so zu gestalten, dass sich Menschen wirklich mitgenommen und nicht ohnmächtig fühlen würden.

"Wir brauchen gewisse Formen von Hierarchien. Aber Chefs können gewählt sein. Eine Hierarchie muss ja nicht undemokratisch sein."
Philosophin Lisa Herzog

Die Gefahr der Entfremdung sei jetzt schon recht groß. Das liege vor allem daran, dass Arbeit heutzutage immer geteilte Arbeit sei. Spezialisierung sei ein zentrales Merkmal unserer Arbeitwelt, sagt Lisa Herzog, "kaum jemand könnte seinen Job machen, wenn nicht andere andere Jobs machen würden."

Was die Gesellschaft zusammenhält

Da ist es manchmal schwierig, Sinnstiftung und Identifikation aus dem Job zu ziehen. Wie das genau funktionieren kann, interessiert Lisa Herzog besonders. Als politische Philosophin will sie nicht nur wissen, was ein gutes Leben ausmacht, sondern auch, was die Gesellschaft zusammenhält. Arbeit ist dabei ein zentraler Faktor.

"Wir müssen die unterstützen und sichtbar machen, die etwas ausprobieren."
Philosophin Lisa Herzog

In Eine Stunde Talk erzählt Lisa Herzog, was sie unter guter Arbeit versteht, warum digitale Genossenschaften ein Weg sein könnten und wann sie das erste Mal demonstriert hat.