Über Twitter ist der US-Journalist Kurt Eichenwalder mit einer Epilepsie auslösenden Animation angegriffen worden, der einen Anfall bei ihm ausgelöst hat. Wir sprechen mit dem Hirnforscher Niels Birbaumer, wie und wem das passieren kann.

US-Journalist Kurt Eichenwald bekam einen Tweet mit einem Lichtmuster geschickt. Beim Betrachten des Tweets bekam Eichenwald einen epileptischen Anfall. Daraufhin verkündet der Journalist, dass er bei Twitter eine Pause einlegt.

Wie genau ist so etwas möglich? Und sind solche Lichtmuster für alle Epileptiker gefährlich? Glücklicherweise nicht, sagt Niels Birbaumer, Hirnforscher am Uniklinikum Tübingen, gefährdet sind vor allem fotosensitive Epileptiker: "Das sind Menschen, die Anfälle kriegen, wenn die Lichtblitze einen bestimmten Rhythmus haben."

"Fotosensitive Epileptiker kriegen vor allem bei etwa sieben Hertz, dass heißt sieben Blitzen pro Sekunde, einen fotosensitiven Anfall."
Niels Birbaumer, Universitätsklinikum Tübingen

Die Ursachen für Fotosensitive Epilepsie sind verschieden: Menschen können sie von Geburt an haben, aber auch Verletzungen und Fieber können zu dieser Form von Epilepsie führen. In Deutschland haben über 600.000 Menschen Epilepsie, rund 20.000 Menschen die fotosensitive Form. Die meisten von ihnen, so Birbaumer, werden in ihrem Leben einen solchen Anfall gehabt haben, aber gesprochen wird darüber immer noch selten:

"Epilepsie gilt immer noch als ein Makel, als eine geistige Erkrankung. Deswegen halten sich die Leute da zurück."
Niels Birbaumer, Universitätsklinikum Tübingen

Der Journalist Kurt Eichenwald berichtet, dass er schon mal mit einem Tweet angegriffen worden ist, bei der ersten Attacke konnte er sein Tablet aber gerade noch schnell genug weglegen.

Fotosensitive Epilepsie ist therapierbar

Eichenwald hat noch Glück gehabt, denn, so Birbaumer, wenn der Anfall erst in Gang gekommen ist, ist er nicht mehr zu unterbrechen. Ein Anfall, so sagt der Mediziner, kann Millisekunden, Sekunden, aber auch erst Stunden oder Tage nach dem auslösenden Moment losgehen. Die beste Langzeittherapie, so sagt Birbaumer, ist die Neurofeedbacktherapie. Dabei lernen Menschen, ihre Anfälle bei Lichtblitzen zu unterdrücken.