Erstmal ist es nur ein Test: In neun Städten dürfen Radfahrer jetzt aber auch an roten Ampeln rechts abbiegen. Das Bundesverkehrsministerium testet Schilder mit einem Grünpfeil für Radfahrer.

So haben wir das gelernt: Rot an der Ampel heißt stehen bleiben und auf Grün warten. Eine Ausnahme ist allerdings der Rechtsabbieger-Pfeil. Einige Ampeln sind mit solchen Schildern ausgestattet und damit dürfen dann Autofahrer auch bei Rot rechts abbiegen. Nun wird das gleiche Prinzip für Fahrradfahrer getestet.

Test in neun Städten

Dieses Mal haben nur die Fahrradfahrer das Recht, trotz rotem Signal rechts abzubiegen. Der Pilotversuch startet in den nächsten Wochen in neun Städten und soll ein Jahr dauern. Zu den Teststädten gehören Bamberg, Darmstadt, Düsseldorf, Köln, Leipzig, München, Münster, Reutlingen und Stuttgart.

Die Ergebnisse werden dann unter anderem durch Videoaufnahmen ausgewertet. Untersucht wird dabei etwa, ob sich das positiv zwischen Radfahrern und Autofahrern auswirke und Radfahrer an Ampeln weniger häufig übersehen würden. 

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Insgesamt an 40 Stellen, Kreuzungen etwa, werden die Schilder angebracht. Die Bundesanstalt für Verkehrswesen, ein Forschungsinstitut des Bundesverkehrsministerium spricht hier von "Knotenpunkt-Zufahrten". Dabei erhalten die Schilder einen deutlichen Hinweis, dass der Pfeil nur für Fahrradfahrer gilt. Aber auch für sie gibt es etwas zu beachten: Sie müssen ebenfalls vorher anhalten und dürfen nur bei Rot über die Ampel, wenn sie dadurch niemanden gefährden.

Schutz für Fußgänger

Gerade in diesem Punkt gibt es Kritik vom Fachverband Fußverkehr Deutschland: Er befürchtet, dass die Schilder dazu beitragen, dass weniger Rücksicht auf Fußgänger genommen werde. 

"Was der Pilotversuch anstrebt, könnte dazu führen, dass Radfahrer gar nicht anhalten und auf Fußgänger keine Rücksicht mehr nehmen – weil sie sich sagen, ich darf das ja jetzt. Und dann wird es für die Fußgänger noch unsicherer.“
Roland Stimpel, Fachverband Fußverkehr Deutschland​

Roland Stimpel vom Fachverband Fußverkehr Deutschland sagt, es gebe bisher schon ausreichende Ausnahmeregelungen für Radfahrer. Sie könnten beispielsweise vor der roten Ampel absteigen und das Rad kurzzeitig schieben und dann weiterfahren. "Das stört, wenn er das rücksichtsvoll macht, keinen Fußgänger", sagt er. Der Einsatz der Schilder könne zu fehlender Rücksichtnahme führen.

„Trippelschrittchen in die richtige Richtung“

Vonseiten der Radfahrer-Verbände ist die Reaktion eher positiv. Allerdings nicht euphorisch. Denn in den Niederlanden, in Belgien und in Frankreich gibt es solche Schilder schon längst. Ebenfalls ist die Forderung von den Verbänden, dies umzusetzen, nicht neu. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, ADFC, sieht den Pilotversuch als „Trippelschrittchen in die richtige Richtung“.

Richtige Richtung, deshalb, weil der Verkehr durch die Grünpfeil-Schilder flüssiger laufen könne. Auch von Fußgängern würden sie – zeigen etwa Tests aus Basel – gut akzeptiert. Der ADFC sieht den aktuellen Test allerdings eher als einen kleinen Schritt, da das Grünpfeil-Schild an der schlechten Infrastruktur für Radfahrer nichts ändere. Nach Ansicht des Verbandes seien Radwege nach wie vor zu oft kaputt, eng oder zugeparkt.