Die Lösung für unseren Plastikmüll könnte bald direkt aus der Natur kommen. Bestimmte Pilze und Bakterien haben nämlich Hunger auf Plastik.

Die Natur muss ihn ausbaden: unseren Plastikmüll. Vielleicht aber gibt es bald biologische Einsatzkräfte gegen diese schwer abbaubaren Produkte. In Japan haben Wissenschaftler bereits das Bakterium Ideonella Sakaiensis entdeckt. Und in den Niederlanden arbeiten Forscher an dem Pilz Fungi Mutarium, der den gleichen Hunger auf Plastik haben soll.

Fungi Mutarium bei der Ausstellung in Utrecht
© Paris Tsitsos | Livin Studio 2014
Fungi Mutarium bei der Fütterung, hier in der Ausstellung Fungal Futures.

Unterstützung beim Abbau von Plastik ist dringend nötig. So schätzt das Umweltbundesamt etwa, dass eine Plastikflasche an die 450 Jahre braucht, bis sie in der Natur verrottet. Das dauert so lange, weil hier bisher keine Bakterien mithelfen.

Die Ideonella-Sakaiensis-Bakterien der japanischen Forscher können das schneller: Sie zersetzen mit Hilfe von Enzymen Polyethylenterephthalat - kurz PET - in seine einzelnen Bausteine und futtern es auf. In den Tests der Wissenschaftler brauchte es für einen Plastikstück in der Größe eines Tesastreifens sechs Wochen. Und das sogar ohne Unterstützung - denn in diesem Fall kommt das Bakterium ohne Hilfe von anderen Mikroorganismen aus.

Beim Aufräumen gefunden

Hatten die Japaner gezielt nach dem Bakterium gesucht, wurden die plastikliebenden Pilze in den Niederlanden zufällig entdeckt - von einem Designstudenten, der an Uni Utrecht am Department für Mikrobiologie ein Praktikum gemacht hat. Er vergaß am Ende seines Praktikums seine Pilz-Experimente abzuräumen, erzählt der Mikrobiologe Han Wösten. Als der Praktikant ein paar Monate später wiederkam, sah er: Der Pilz hatte das Plastik gefressen. Jackpot für die Wissenschaftler!

"He forgot to clean up his stuff after his internship. And then after several month he came back and wanted to clean up and then he realized that the Fungus had digested parts of the plastic."
Han Wösten, Mikrobiologe an der Universität Utrecht

Ohne den verpeilten Studenten wäre das Ganze nie entdeckt worden, sagt der Mikrobiologe Han Wösten, da der Pilz das Plastik nur sehr langsam zersetzte. Ideen, wie man den Pilz in Zukunft einsetzen könnte, gibt es aber schon. So wollen sich die Forscher an seiner Art Plastik zu zersetzten neue Recyclingmethoden abgucken. Das wäre praktisch, da schließlich der Plastikgrundstoff Erdöl auch endlich ist.

Han Wösten und seine Kollegen forschen jetzt schon an essbaren Pilzen, die auf der Basis von Plastik oder anderem Müll wachsen. Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, so die Idee der Forscher: weniger Müll und Pilze als das Nahrungsmittel der Zukunft. Denn auch sie haben einen hohen Nährwert.

Mehr über den Fungus Mutarius und die Pilze der Zukunft gibt es in der Ausstellung Fungal Futures.