Klärwerke sind eine sehr gute Sache. Eigentlich. In Schleswig-Holstein gelangten jedoch Millionen Plastikschnipsel über ein Klärwerk in die Schlei. Jetzt wird gereinigt - auch mit einem Spezialschiff. Johannes Kulms, unser Korrespondent in Kiel, ist mitgefahren.

Aber wie kam der Plastikmüll überhaupt ins Klärwerk? Die Anlage steht in der Stadt Schleswig am Ende der Schlei, einem rund 40 Kilometer langen Meeresarm der Ostsee.

Im Klärwerk wird auch Energie gewonnen

Das kommunale Unternehmen klärt nicht nur Abwässer, sondern gewinnt nebenbei auch Energie, so Johannes. Das funktioniert vergleichbar einer Biogasanlage: Zum Klärwerk gehört ein Faulturm, in dem man die Klärgase als Energiequelle nutzt. Um die Energieausbeute zu steigern, werden dem Faulschlamm Essensreste beigemischt.

Diese Essensreste werden zerhäckselt angeliefert. Sie kommen mit in den Faulturm und sollten nach mehreren Filterstufen geklärt ins Wasser gehen. Doch die Lebensmittelreste sind häufig noch verpackt. Die Essensreste kommen von einem Zulieferer, der sich nun mit dem Klärwerk streitet: Muss das Klärwerk dafür sorgen, dass am Ende das Plastik komplett rausgefiltert wird oder waren die Zulieferungen zuletzt mit sehr viel mehr Plastik durchsetzt?

Millionen von Plastikpartikeln gelangten in die Schlei

Klar ist: Am Ende wurden Plastikschnipsel nicht herausgefiltert, sondern sind in die Schlei geströmt. Entlang der Ufer wurden in den vergangenen Wochen massig Plastikteile angeschwemmt, die zwischen einem halben und zwei Zentimetern groß sind. Putzteams säubern zurzeit die Ufer: Dazu gehören Mitarbeiter der Stadtwerke, aber auch viele Freiwillige.

Die Kosten für das Saubermachen könnten sich auf eine Million belaufen, so Johannes. Auch deshalb ist es wichtig, die Schuldfrage zu klären.

Auf der Schlei fährt ein Schiff mit einer Siebvorrichtung, um den Ostseearm von Plastikpartikeln zu säubern.
© dpa
Das Reinigungsschiff haben die Stadtwerke selbst gebaut. Neun Meter lang und 4 Meter breit. Es ist nicht sonderlich schön, aber es hilfreich.

Jetzt geht es aber erst einmal darum, die Schlei und ihre Ufer zu reinigen. Dafür haben die Stadtwerke ein Schiff gebaut: Eine Art Alu-Katamaran mit einem Sieb, das die Oberfläche abfischt und die Plastikpartikel einsammelt. Da das Plastik noch nicht auf den Grund gesunken ist, stehen die Chancen gut, möglichst viel davon einzusammeln. Und zwar nicht nur die Plastikreste aus dem Klärwerk, sagt Thorsten Roos, Leiter der Umweltbehörde im Kreis Schleswig-Flensburg.

"Wenn wir so weiterarbeiten, dann glaube ich tatsächlich, dass wir am Ende eine bessere Wasserqualität der Schlei haben werden als wir es bislang hatten."
Thorsten Roos, Leiter der Umweltbehörde des Kreis Schleswig-Flensburg

Klingt bizarr, aber die Plastikschnipsel aus dem Klärwerk könnten auch etwas Gutes haben. "Die Schlei war auch davor schon sehr verschmutzt", sagt Johannes. Aber der Plastikmüll aus dem Klärwerk ist gut sichtbar.

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