Einwegplastik wie Plastikstrohhalme will die EU ab 2021 verbieten, aber auch langlebige Kunststoffe, die in Turnschuhen oder Matratzen enthalten sind, stellen ein Problem dar, weil sie schwer abgebaut oder recycelt werden können und beim Verbrennen in der Müllanlage Giftstoffe entstehen können.

Viele von uns haben mehrere Paar Sneaker zu Hause stehen. Die kommen uns aber nicht als Erstes in den Sinn, wenn wir an Plastikmüll und giftige Kunststoffe denken. In vielerlei Hinsicht können sie aber durchaus problematisch für unsere Umwelt sein. Zum einen gibt es den Abrieb, also Plastikpartikel – im Prinzip eine Form von Mikroplastik – die sich ablösen, wenn wir die Schuhe tragen.

Zugegebenermaßen ist der Abrieb bei Sneakern nicht so hoch, wie bei Spielplätzen, Autorreifen, Wettkampfbahnen und Kunstrasen. Polyurethane, Kunststoffe, die sich von unseren Turnschuhen ablösen, gelten als nicht giftig. Trotzdem verschmutzen sie unsere Umwelt durch das Mikroplastik, das durch sie verbreitet wird. Demzufolge tragen wir mit unseren Sneakern zur Verschmutzung bei.

Giftige Stoffe während der Produktion im Einsatz

Ein Vorprodukt von Polyurethan ist Toluoldiisocyanat und dieser Kunststoff gilt als giftig. Die Dämpfe können die Haut- und Atemwege stark reizen. In Deutschland gibt es aus diesem Grund besonderen Arbeitsschutz für die Flüssigkeit und den Umgang mit noch nicht ausgehärteten Schäumen beim Sprühen, Spritzen und Gießen. Dieses Problem betrifft also in erster Linie die Beschäftigten, die die Schuhe herstellen.

Weiteres Problem: Wenn die Sneaker im Müll landen

Wenn die Sneaker durchgelatscht sind, werfen wir sie in den Müll. Und hier beginnt das nächste Problem: Wenn Polyurethane in Anlagen verbrannt werden, die keine guten Filter haben, werden gesundheitsschädliche Stoffe freigesetzt. Hier in Deutschland gibt es solche Filter, in anderen Ländern nicht. Der Umweltwissenschaftler Andreas Gies kritisiert daher Länder mit hoch entwickelter Industrie:

"Wir sind nicht in der Lage, Technologien anzubieten, die zum Beispiel auch Ländern, die sich in der Entwicklung befinden, ermöglichen, Kunststoffe wieder zurückzuholen. Das heißt, wir leben hier in einem Schlaraffenland, versorgen aber die Welt mit Problemen."
Anke Petermann, Deutschlandfunk-Korrespondentin

Weitere giftige Kunststoffe in der Industrie

Hoch explosives Phosgen – das Gas wurde im Ersten Weltkrieg als Kampfstoff benutzt - wird auch zur Herstellung von Kunststoffen genutzt. Das bringt zum Beispiel ein Risiko für Anwohner einer solchen Anlage mit sich. Auch, wenn große Konzerne über Jahrzehnte gezeigt haben, dass sie durch die Produktion in Sicherheitskammern das Risiko möglichst klein halten. Experten sagen, dass es wichtig ist, sich um Ersatzstoffe zu bemühen. BASF erforscht das, sagt aber, dass es zurzeit wirtschaftlich nicht machbar ist, das Phosgen zu ersetzen.

Auch giftige Dichlorbenzole soll nicht mehr in Matratzen enthalten sein. Als 2017 eine Zeit lang die Reinigung des Toluoldiisocyant bei BASF versagt hat, war das der Fall. Das Unternehmen musste das Toluoldiisocyanat zurückrufen. Und es gab auch noch Rückrufaktionen für die gefertigten Matratzen.

Recyclinglügen heizen den Konsum

Ein weiteres Problem besteht darin, dass es kaum sortenreinen Kunststoff gibt, der sich isoliert recyceln lässt. Am sortenreinsten sind PET-Flaschen. Sie sind der Grundstoff für Nylongarne für das Obermaterial von Turnschuhen.

Einige Blogger und Influencer nennen das dann 'Recyclingschuhe' und bezeichnen industrienahe Zertifizierungsinstitute als 'Umweltorganisationen' - so entstehen Recyclinglügen, sagt unsere Korrespondentin Anke Petermann. Verbraucher sind dann in manchen Fällen bereit, viel Geld für diese Sneaker zu bezahlen: 170 bis 200 Euro pro Paar, sagt unsere Korrespondentin.

Recyclinglügen sorgen für gutes Gewissen und heizen den Konsum an. Aber aus Turnschuhen entstehen kaum wieder Turnschuhe, weil die verschiedenen Materialien zu aufwendig getrennt werden müssten. "So weit geht die Produktverantwortung der Hersteller nicht", sagt Anke Petermann.

Ob dann Abfälle, wie von manchen Herstellern in Werbefilmen dargestellt, wirklich am Strand auf den Malediven gesammelt werden - findet Anke Petermann fraglich. Sie hat beim Hersteller nachgefragt und die Erklärung erhalten, dass das Recyclingmaterial der Adidas-Parley-Produkte – so heißt deren "zertifiziert"-Recyclingbekleidung – von Stränden beziehungsweise aus Küstenregionen stamme". Damit könnte aber auch eine PET-Flaschen-Recyclinganlage in Küstenregionen gemeint sein, sagt Anke Petermann. Und fraglich sei auch, ob Parley eine Umweltorganisation sei oder vielmehr ein industrienahes Marketing-Institut, sagt unsere Korrespondentin.

Dieser Beitrag ist Teil des bundesweiten Rechercheprojekts "Giftmüll"