Die Berliner Polizei hat im Müll Spielkarten sichergestellt, die radioaktiv markiert waren. Es geht dabei wohl um betrügerische Spiele.

Das Ganze klingt ziemlich kurios: Bei einer Routinekontrolle in einer Mülldeponie in Rüdersdorf wurde im November 2016 eine erhöhte radioaktive Belastung in einem Müllfahrzeug festgestellt.

"Ein Müllfahrzeug ist wegen erhöhter Strahlung aufgefallen. Spielkarten in diesem Müllauto waren radioaktiv. Sie waren mit Jod 125 versehen."
Till Opitz, Deutschlandfunk Nova

Die Polizei hat daraufhin zurückverfolgt, welche Route dieses Müllauto gefahren war, hat Müll durchsucht und ist weiteren Hinweisen nachgegangen, die sie jetzt zu einem Restaurant und einer Karaoke-Bar in Berlin-Lichtenberg geführt haben. Und dort ist sie fündig geworden: Ein gutes Dutzend radioaktive Karten oder Kartenteile hat die Polizei entdeckt.

Die Polizei schreibt in ihrer Pressemitteilung: "Bei den sichergestellten Teilen handelt es sich um etwa 20 Millimeter große, runde Ausstanzungen aus Spielkarten, die sich nur durch die Farbe des Deckblattes unterscheiden. Alle markierten Karten hatten die gleiche Farbe."

"Die Polizei glaubt, dass Betrüger sich durch diese markierten Karten einen Vorteil verschafft haben - mithilfe eines verdeckt am Körper getragenen Detektors."
Till Opitz, Deutschlandfunk Nova

Um welche Spiele es genau ging, wissen die Polizisten nicht. Ein Detektor könnte aber ausschlagen, wenn eine radioaktive Karte gespielt wird. So wäre es denkbar, dass Kartenspiele manipuliert wurden.

Grenzwerte wurden überschritten

Jod 125 wird in der Medizin verwendet. Es hat eine Halbwertszeit von 60 Tagen - in dieser Zeit halbiert sich die Aktivität. Die Polizei schreibt: "Die direkt an den Kartenteilen gemessene Ortsdosisleistung von 200 µSv/h (Mikrosievert/Stunde) überschreitet die Absperrgrenze um das Achtfache, nimmt aber wenige Zentimeter entfernt sehr stark ab: In 10 Zentimeter Entfernung betrug sie nur noch ein Hundertstel, in 50 Zentimeter Entfernung war sie nicht mehr messbar."

"Das verwendete Jod 125 hat im direkten Kontakt den zulässigen Grenzwert um das Achtfache überschritten. Mit jedem Zentimeter Abstand hat die Strahlung sehr schnell abgenommen."
Till Opitz, Deutschlandfunk Nova

Die Ermittler sagen, dass wohl nur bei unmittelbarem Kontakt mit den Karten eine gewisse Gefahr zur Kontamination bestanden habe. Wer genau die Karten in der Hand hatte, ist aber bislang unklar. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln jetzt wegen des Verdachtes der Freisetzung ionisierender Strahlen.

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