Zwei Monate nach dem Anschlag in der Nähe des britischen Parlaments ist Großbritannien erneut zum Ziel des Terrors geworden. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Attentäter von Manchester identifizieren und sucht mit Hochdruck nach möglichen Unterstützern.

Bei dem Selbstmordattentäter handelt es sich nach Angaben der Polizei um den 22 Jahre alten Salman Abedi. Weitere Informationen machte die Polizei erst einmal nicht. Sie hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen sehr bedeckt, sagt ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg.

"Man will nicht preisgeben, wie viel man in Erfahrung gebracht hat, um möglichen Mitwissern, möglichen Unterstützern, keinen Informationsvorsprung zu geben."
Michael Götschenberg, ARD-Terrorismusexperte

In britischen Medien hieß es, Salman Abedi sei britischer Staatsbürger mit libyschen Wurzeln. Er soll in Manchester gelebt haben. 

Ob der Attentäter der Polizei schon bekannt war, ob er Teil eines Netzwerks war - diese Fragen sind noch offen. Die Polizei sucht derzeit mit höchster Priorität nach möglichen Unterstützern oder Helfern. In diesem Zuge wurde auch ein 23-Jähriger festgenommen. Ob er tatsächlich Verbindungen zu dem Täter hatte, ist bisher aber ebenfalls nicht bekannt.

Bei einigen Anschlägen oder Anschlagsplanungen sei es in der Vergangenheit so gewesen, dass es Verbindungen zwischen den jeweiligen Tätern gegeben habe, sagt der Terrorismusexperte. Bei anderen Fällen habe der Täter ganz alleine gehandelt.

"Neue Kategorie der Feigheit"

Der "Islamische Staat" (IS) behauptete nach dem Anschlag, für die Tat verantwortlich zu sein. Ob der Attentäter tatsächlich Verbindungen zu der Terrorgruppe hatte, ist bisher nicht bekannt. Michael Götschenberg hält die Bekennerbotschaft zwar für authentisch, allerdings enthalte das Schreiben kein exklusives Täterwissen. Es könne also auch sein, dass der IS die Tat für sich reklamiere, obwohl kein Kontakt zwischen der Terrorgruppe und dem Attentäter bestand.

22 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, kamen bei dem Selbstmordanschlag ums Leben. Ein Opfer war erst acht Jahre alt. Mindestens 59 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Selbstmordattentäter hatte sich am Montagabend bei einem Ariana-Grande-Konzert im Eingang zur Konzerthalle in die Luft gesprengt. Die britische Regierungschefin Theresa May sprach von einer "neuen Kategorie der Feigheit", die mit dem Anschlag auf Kinder und Jugendliche erreicht worden sei.

In Manchester setzte die Polizei am Tag nach dem Attentat 500 zusätzliche Polizisten in den Straßen ein, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Friedbert Meurer.

Friedbert Meurer, Korrespondent über die Lage in Manchester nach dem Terroranschlag
"Ich glaube, im Endeffekt hat das wenig mit Terrorabwehr zu tun, sondern ist eher eine Geste, die die Bevölkerung beruhigen soll."

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