Brutale Polizeikontrollen, Rassismus im alltäglichen Leben und die ständige Angst, auf die Straße zu gehen. In den USA protestieren zurzeit zehntausende Menschen gegen Polizeigewalt. Auch Edson Howard hat sie erfahren müssen.

Seitdem der Afroamerikaner George Floyd am 25. Mai nach einer brutalen Polizeikontrolle ums Leben kam, sind die Proteste in den USA so groß wie seit langem nicht mehr. Täglich gehen zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen Willkür und alltäglichen Rassismus zu demonstrieren.

Auch Edson Howard hat die US-amerikanische Polizeigewalt erlebt. Edson ist in Liberia geboren, wuchs aber in Chicago auf. Seit fünf Jahren lebt er nun in Deutschland. Auch, wenn er hier noch keine negativen Erfahrungen mit der Polizei gemacht hat – vor der Polizei habe er aufgrund seiner Erfahrungen immer Angst, egal wann und wo.

"Wir haben immer gedacht: Entweder wir sind tot oder alles läuft gut."
Edson Howard über die Willkür US-amerikanischer Polizei

Diskriminierung in der Kindheit

Bereits in seiner Kindheit erlebte Edson Howard die unterschiedliche Behandlung von Schwarzen und Weißen durch die US-amerikanische Polizei. Damals wohnte er ganz in der Nähe eines Viertels, in dem vor allem Weiße lebten. Die Kinder verbrachten immer gemeinsam ihr Zeit erzählt er. Passierte aber etwas in der Gegend, seien nur die schwarzen Kinder von der Polizei besucht worden.

"Die weißen Kinder und wir haben immer zusammengelebt. Aber wenn etwas passiert ist, kam die Polizei immer zu uns, nicht zu den weißen Kindern."
Edson Howard über seine Erfahrungen mit US-amerikanischer Polizeigewalt

Auch während der Schulzeit erlebte Edson Howard die unterschiedliche Behandlung von weißen und schwarzen Kindern: Bei einer Wandschmiererei, von der bekannt gewesen sei, dass sie ein weißes Kind verursacht hatte, wurden alle schwarzen Kinder zur Befragung durch die Polizei zitiert, während die weißen Kinder nach Hause gehen durften. Die Begründung der Polizei: "Nur schwarze Kinder können solche Dinge tun, nicht weiße Kinder", erinnert sich Edson Howard.

Rassismus beim Konzertbesuch

An viele ganz alltägliche Situationen hat Edson ebenfalls keine guten Erinnerungen. Bei einem Konzert etwa, das er zusammen mit einem weißen Freund besuchte, wurden Polizisten als Security eingesetzt. Als Edson bei der Kontrolle ankam, behauptete ein Polizist, dass sein ausgedrucktes Ticket nicht echt sei, während sein Freund mit demselben ausgedruckten Ticket einfach eintreten durfte, erzählt er.

Brutale Polizeikontrollen

Und als er einmal nach einer Party mit einem Freund nach Hause fuhr, gerieten sie in eine Polizeikontrolle, bei der Edson Howard die Willkür der Polizei am eigenen Leib erfahren musste, wie er schildert:

Nachdem die Polizisten sie aus dem Auto zwangen, wurden Edson und sein Freund auf den Boden gedrückt, die Arme hinten auf dem Rücken verschränkt. Da im Auto viele leere Flaschen lagen, beschuldigte die Polizei seinen Freund, dass er getrunken habe, obwohl das nicht der Fall gewesen sei, erzählt Edson.

Sein Freund, der an einer akuten Augenkrankheit litt, hatte eine Flasche mit Augentropfen in der Brusttasche, erinnert er sich weiter. Weil er auf den Boden gedrückt wurde, sei die Flasche zerbrochen. Als er danach greifen wollte, weil die Scherben sich in die Brust drückten, eskalierte die Kontrolle: Der Polizist erschoss seinen Freund. Danach bricht Edsons Erinnerung ab - am nächsten Tag wachte er im Krankenhaus auf.

Traurige Normalität

Am Anfang hatten Edson, seine Familie und seine Freunde noch Angst, erzählt er, aber irgendwann wurde es zur Normalität, mit der sie zu leben lernen mussten - auch mit der Gefahr, eine Polizeikontrolle nicht zu überleben.

"Wir haben immer gedacht, es gibt nur zwei Lösungen: Entweder wir sind tot oder alles läuft gut. So war es immer bei uns."
Edson Howard über seine Erfahrungen mit US-amerikanischer Polizeigewalt

Als er das letzte Mal nach längerer Zeit wieder in die USA reiste, um seine Familie zu besuchen, erinnerte ihn sein Bruder daran, dass sich nichts verändert habe: "Du warst lange nicht hier. Du weißt wie hier alles ist. Du musst immer aufpassen!"