Power Posing war vor fünf Jahren der neue heiße Scheiß für Leute, die sich selbst optimieren wollten. Wer regelmäßig eine Power-Pose einnimmt - breitbeinig mit den Händen in den Hüften stehen - der fühlt sich nicht nur mächtiger, der wird auch mächtiger. Aber stimmt das auch? 

2010 hat die Sozialpsychologin Amy Cuddy an der Uni Harvard eine Studie rausgebracht zum Thema Power-Posen. Sie wollte wissen, ob Menschen nur dadurch, dass sie eine Minute lang breitbeinig stehen, sich eher wie mächtige Menschen verhalten. Also ob sie zum Beispiel höhere Risiken eingehen, ob sie sich mächtiger fühlen, und ob sich das ganze auch in ihren Hormonspiegeln zeigt.

Studien-Ergebnisse wie aus der Marketing-Abteilung

Die ganze Studie hat sie mit 46 Probanden gemacht – und raus kam: Power Posen führt dazu:

  • Dass Menschen sich mächtiger fühlen
  • Dass sie sich eher verhalten wie mächtige Menschen
  • Dass sie hinterher mehr Testosteron und weniger Cortisol, also Stresshormon, im Blut haben.

Das Ergebnis klingt so wunderbar, dass es sich perfekt vermarkten ließ.

Die Forscherin ist damit erfolgreich gewesen: Ihren Ted-Talk zum Thema haben gut 40 Millionen Menschen angeschaut, sie hat ein Buch geschrieben, wie Menschen diese Power Posen für sich nutzen können. Unzählige Male hat sie in Talkshows darüber gesprochen.

"Das Problem ist immer noch, dass ihre Studie nicht repliziert werden kann. Seit sechs Jahren versuchen viele Forscher die Ergebnisse zu wiederholen. Klappt aber nicht."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Weil diese Power-Posing-These nicht bestätigt werden konnte, gibt es nun eine Meta-Studie dazu. Also eine Untersuchung, die alle anderen zusammen fasst. Da kommt raus, dass Menschen sich durch Power Posen etwas stärker fühlen, dass das aber nichts an ihrem Hormonspiegel ändert. Und das war eine der Kernaussagen von Amy Cuddy. 

Power Posing hat doch keinen Einfluss auf Hormonspiegel

Die Studie von Amy Cuddy folgt dem Prinzip 'tolles Ergebnis, schlecht gemachte Studie'. So fasst es die Zeitschrift "Comprehensive Results in Social Psychology" zumindest zusammen.

Wir lernen: Bei psychologischen Studien mit bahnbrechenden Ergebnissen, die sich gut vermarkten lassen, lieber nochmal nachfragen. Und bis dahin: Beine zusammen und entspannen.