Frankreich ist unser Nachbarland und einer unserer wichtigsten Partner. Jetzt haben die Französinnen und Franzosen entschieden, wer in zwei Wochen in die Stichwahl ums höchste Amt des Staates geht: Der amtierende Präsident Emmanuel Macron tritt erneut gegen Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Partei "Rassemblement National" an.

Viele hatten das vorausgesagt und es ist auch so gekommen: Es kommt zur Neuauflage der Stichwahl von 2017 in Frankreich. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen setzte sich Amtsinhaber Macron vor seiner Konkurrentin vom extrem rechten Rassemblement National durch.

Am frühen Montagmorgen waren nach Angaben des französischen Innenministeriums 97 Prozent der Stimmen ausgezählt. Macron lag demnach mit 27,6 Prozent in Führung. Le Pen kam auf 23,4 Prozent.

Gewinner Emmanuel Macron

Am Abend hatte Präsident Macron alle anderen Kandidatinnen und Kandidaten gegrüßt, die nach der ersten Runde nicht mehr im Rennen sind, berichtet Deutschlandradio-Korrespondentin Christiane Kaess aus Paris.

"Ich will ein Frankreich, das entschlossen gegen den islamistischen Separatismus kämpft – aber das es jedem erlaubt, zu glauben oder nicht zu glauben und seine Religion auszuüben. Und nicht ein Frankreich, das die Muslime oder Juden daran hindert, so zu essen, wie es ihre Religion vorschreibt. Das sind nicht wir. "
Emmanuel Macron

Die nächsten Tage werden "entscheidend sein für Frankreich und für Europa", hat Macron gesagt – und er hat die Unterschiede klargemacht zu seiner Kontrahentin Le Pen. Er wolle niemanden ausschließen, sondern ein Frankreich, das jedem Fortschritt bringt – alten wie jungen Menschen, Frauen wie Männern, Arbeitern und Familien.

Dem amtierenden Präsidenten war vorgeworfen worden, sich in den letzten Wochen vor dem ersten Wahlgang zu sehr um die internationale Politik gekümmert zu haben. Le Pen hatte in Umfragen zwischenzeitlich sogar vor Macron gelegen. Sie hatte viel Energie in den Wahlkampf investiert und dabei auch versucht, ihre Partei "wählbarer" zu machen und in die Mitte zu rücken.

Marine Le Pen kämpferisch

Am Abend zeigte sie sich vor ihren Anhängerinnen und Anhängern kämpferisch, berichtet Christiane Kaess. Sie sagte, die Franzosen hätten die Wahl zwischen zwei gegensätzlichen Visionen.

"Entweder die Spaltung, die Ungerechtigkeit und die Unordnung durch Emmanuel Macron oder der Zusammenschluss der Franzosen für soziale Gerechtigkeit und dem Schutz in einem brüderlichen Rahmen rund um die tausendjährige Idee der Nation und des Volkes."
Marine Le Pen

Alle, die heute nicht Emmanuel Macron gewählt hätten, rief Le Pen dazu auf, sich diesem Zusammenschluss anzuschließen. Sie werde die Souveränität Frankreichs wiederherstellen, hat sie angekündigt – unter anderem, indem sie die Möglichkeit eines Referendums einführen will, das auf die Initiative von Bürgern gegründet ist.

Starker 3. Platz: Jean-Luc Mélenchon

Jean-Luc Mélenchon von der linken Partei "Unbeugsames Frankreich" kam auf 21,7 Prozent der Stimmen, lag also nicht weit hinter Marine Le Pen. Die Chancen, tatsächlich in die Stichwahl zu kommen, waren da. Dementsprechend enttäuscht waren Mélenchons Anhängerinnen und Anhänger gestern Abend.

Der Drittplatzierte selbst gab sich kämpferisch und rief dazu auf, die ausgegebenen Ziele weiterzuverfolgen – also vor allem den Kampf gegen die soziale Ungleichheit im Land. Er rief außerdem dazu auf, auf keinen Fall für Le Pen zu stimmen.

Verlierer: Zemmour, Pécresse, Hidalgo

Unter den Verlierern des Abends ist auf jeden Fall der Rechtsextremist Éric Zemmour, der mit rund sieben Prozent weit hinter seinem (zweistelligen) Ziel zurückblieb. Er hat inzwischen zur Wahl Le Pens aufgerufen.

Valérie Pécresse, die Kandidatin der konservativen Republikaner, ist auf nicht einmal fünf Prozent der Stimmen gekommen. Das sei für die Partei ein wirklich harter Schlag, sagt Christiane Kaess. Die Republikaner seien mal eine große Partei gewesen, die über Jahrzehnte auch immer wieder den Präsidenten gestellt hat.

"Die Republikaner waren mal eine große Partei. Es ist schlichtweg eine Katastrophe für Valérie Pécresse und die Konservativen."
Christiane Kaess, Deutschlandradio-Korrespondentin in Paris

Unter politischen Beobachtern sei gestern Abend auch der Satz gefallen: "Die Partei ist tot." Pécresse hat sich entsprechend enttäuscht gezeigt. Sie sagte, sie werde ihre Stimme nun Emmanuel Macron geben.

Das Drama betrifft aber nicht nur die Republikaner, sondern auch die zweite – ehemals – große Volkspartei Frankreichs: die Sozialisten. Sogar noch härter: Anne Hidalgo, die Kandidatin der Sozialisten und immerhin Bürgermeisterin von Paris, konnte nur knapp zwei Prozent der Stimmen holen.

Stichwahl am 24. April

Wie die Stichwahl in zwei Wochen ausgeht, sei "ein bisschen unvorhersehbar", sagt Christiane Kaess. Denn auch wenn sich einige für Macron ausgesprochen hätten, hieße das noch lange nicht, dass die Wähler*innen diesem Aufruf auch folgen.

"Etwas mehr als 26 Prozent der Französinnen und Franzosen sind gestern nicht wählen gegangen."
Christiane Kaess, Deutschlandradio-Korrespondentin in Paris

Wichtig wird es vor allem sein, die Nichtwählenden zu mobilisieren. Denn nur etwa drei von vier wahlberechtigten Französinnen und Franzosen haben gestern ihr Kreuzchen gemacht. Für Macron und Le Pen heißt es also jetzt: Überzeugungsarbeit leisten.