Pop-Queen Rihanna erregt mal wieder Aufmerksamkeit – allerdings nicht mit ihrer Musik, sondern mit ihrem Bauch. Der ist groß und rund, Rihanna sichtbar schwanger. Und anstatt den Babybauch zu verstecken, stellt sie ihn zur Schau. Ein Statement für Style und Selbstbestimmung.

Lange war es eher so, dass schwangere Frauen viel getan haben, um ihre Schwangerschaft zu verstecken, sagt Minh Thu Tran von Deutschlandfunk Nova. Sie haben zum Beispiel besonders weite, rüschige Kleidchen getragen oder viel schwarz, um den Babybauch optisch schmaler zu machen.

"Rihannas Schwangerschaftsstyle besteht vor allem aus Crop Tops, durchsichtigen Mesh-Kleidern, offenen Mänteln – und Bauchschmuck."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova

Rihanna ist das komplette Gegenteil davon. Schon bei der Ankündigung ihrer Schwangerschaft im Januar hatte sie ein sehr lautes Statement gesetzt. Die Bilder der Sängerin und ihres Partners ASAP Rocky wirkten wie zufällig eingefangen, waren aber sorgfältig inszeniert: Rihanna hat auf den Fotos niedrig sitzende Jeans und einen Mantel an, der an der entscheidenden Stelle aufgeknüpft ist – am Babybauch. Den nackten Bauch zieren Kettchen mit auffälligen Glitzersteinchen.

Verzierter Glitzerbauch

Seitdem ist sie immer wieder sichtbar schwanger auf Events aufgetaucht: Ihre Schwangerschaftsoutfits bestehen vor allem aus Crop Tops, durchsichtigen Mesh-Kleidern, offenen Mänteln und Bauchschmuck.

"Rihanna will ihren Körper nicht verstecken während der Schwangerschaft, sagt sie – und neu definieren, was als anständig gilt."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova

Gerade war die Sängerin auch auf dem Cover der amerikanischen Vogue zu sehen. Beim Cover Shoot trug sie ebenfalls extravagante Outfits mit möglichst wenig Stoff über ihrem Bauch. Im Interview mit der Zeitschrift sagte sie, sie habe sich einfach nicht vorstellen können, in der Schwangerschaftsabteilung einzukaufen – weil ihr Mode einfach zu viel Spaß macht.

Nicht in der Schwangerschaftsabteilung shoppen

Mit ihrem Style wolle sie neu definieren, was für schwangere Frauen als „anständig“ gilt. Ihr Körper schaffe gerade Unglaubliches, dafür wolle sie sich nicht schämen und ihren Körper deshalb auch nicht verstecken.

Rihanna ist nicht die einzige Promifrau, die ihren Babybauch nackig zeigt. In den letzten Jahrzehnten wurden Promi-Schwangerschaften immer häufiger inszeniert, sagt Minh Thu Tran von Deutschlandfunk Nova.

Beyoncé als nackte Fruchtbarkeitsgöttin

Die erste war Schauspielerin Demi Moore, die sich schon in den 90er-Jahren nackt und sichtlich schwanger für das Cover der Vanity Fair ablichten ließ. Der Höhepunkt der Schwangerschaftsinszenierungen kam dann von Beyoncé, die sich in kunstvollen Schwangerschaftsshootings als nackte Fruchtbarkeitsgöttin inszeniert hat.

Rihanna hebt diese Entwicklungen aber auf eine neue Ebene, weil sie ihren nackten, manchmal mit Schmuck dekorierten Bauch eben nicht nur für einen einmaligen Fotoshoot nackt in die Kamera hält, sondern tatsächlich jeden Tag.

"Dieser Körper gehört mir"

Ihren Schwangerschaftsstyle hat Rihanna auch schon als "rebellisch" beschrieben. Im Alltag hätten viele schwangere Frauen das Gefühl, ihr Körper würde nicht mehr ihnen selbst gehören. Sie bekämen komische Blicke ab oder irgendjemand im Café betatscht einfach ihren Bauch. Mit ihrem Style setzt die Sängerin ein Statement und sagt: Ich bin stark und selbstbestimmt – und dieser Körper gehört mir.

Medizinische Ungleichbehandlung

In den USA ist es für eine schwarze Mutter bis zu dreimal wahrscheinlicher, an Komplikationen in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft zu sterben, als für eine weiße Mutter.

"Rihanna zeigt mit ihrem Babybauch, mit welcher Stärke und Resolutheit eine schwarze Frau in Amerika durch eine Schwangerschaft gehen muss."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova

Das liegt an mehreren Faktoren, unter anderem am schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung und am strukturellen Rassismus: Manche Ärzt*innen nehmen schwarze Frauen und ihre Schmerzen weniger ernst als bei anderen Patient*innen.

Auch Tennisstar Serena Williams hatte nach der Geburt ihrer Tochter davon berichtet, dass Ärzte ihre Symptome nicht ernst genommen hatten, als sie Komplikationen hatte. Rihanna zeigt mit ihrem Babybauch, mit welcher Stärke und Resolutheit eine schwarze Frau in Amerika durch eine Schwangerschaft gehen muss, sagt Minh Thu Tran.

  • Moderation:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartnerin:  Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova