Ab Mittwoch (16.12.2020) wird das öffentliche Leben wieder auf ein Minimum zurückgefahren. Die Bundesliga läuft allerdings weiter wie bisher. Auch, wenn genug Testkapazitäten vorhanden sind, viele sehen das Weitermachen in der Bundesliga kritisch.

Eine Szene, die fast vergessen lässt, dass wir derzeit mitten in einer Pandemie stecken: Nach dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League vergangene Woche feiern die Spieler von Borussia Mönchengladbach ausgelassen in ihrer Mannschaftskabine - Arm in Arm hüpfend und singend. Das sind zwar menschliche Szenen, für Vertrauen in den Profifußball mögen sie allerdings nicht gesorgt haben.

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Wie geht es weiter mit der Bundesliga im zweiten Lockdown? Für Jens Spahn sind die bisherigen Schutzmaßnahmen ausreichend genug, um die Spiele weiterlaufen lassen zu können. Am kommenden Wochenende findet noch ein Spieltag statt, nach zehn Tagen Winterpause soll die Bundesliga ab dem 2. Januar ebenfalls normal weiterlaufen.

Dass der Profifußball weitergeführt wird, sehen Kritikerinnen und Kritiker vor allem im Hinblick auf die Vorbildfunktion der Spieler kritisch.

Die Bundesliga bleibt nicht verschont von Corona

Auch wenn die Bundesliga mit dem bisherigen Hygienekonzept ganz gut durchgekommen ist, Corona-sicher ist sie definitiv nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters. Laut der Bild am Sonntag waren es bis Mitte März alleine 89 positive Fälle, seitdem sind noch weitere hinzugekommen. Bisher traf es oft nur einzelne Spieler im Team, in Hoffenheim gab es jedoch auch den Fall, dass sich mehrere Spieler und Betreuer infiziert hatten.

Dass es nicht noch mehr Fälle waren, liegt an der hohen Anzahl von Tests: Pro Woche werden Spieler, Trainer und Betreuer mindestens zwei Mal getestet. Vor den Spielen gibt es ebenfalls immer einen Test.

"Insgesamt kommt die Bundesliga mit ihrem Hygienekonzept ganz gut durch. Zumal da ja auch wie wild getestet wird."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Geringe Testanzahl im nationalen Vergleich

Doch nimmt die Bundesliga damit nicht Laborkapazitäten in Anspruch, die andere Stellen dringender gebrauchen könnten? Der Interessensverband der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland sieht das entspannt. Die Bundesliga verschlinge keine großen Laborkapazitäten und gehe auch nicht zulasten des Normalbürgers.

Das zeigen auch die Zahlen: Rechnet man erste und Zweite Bundesliga zusammen, kommt man auf 3600 Tests pro Woche. Insgesamt wurden in Deutschland in der vorletzten Woche 1,3 Millionen Menschen getestet.

"Insgesamt wurden in Deutschland in der vorletzten Woche 1,3 Millionen Menschen getestet. Da sind 3600 Bundesliga-Tests natürlich nicht besonders viel."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch der Epideminologe Markus Scholz von der Universität Leipzig sagt, dass die Bundesliga nicht wesentlich zum Infektionsgeschehen in Deutschland beitrage und auch die Testkapazitäten nicht das Problem seien.

Der Fußball und seine Vorbildfunktion

Markus Scholz und weitere Kritiker sehen dennoch ein Problem darin, dass die Bundesliga einen Sonderstatus einnimmt. Einer Gesellschaft sei es nur schwer zu vermitteln, dass das ganze öffentliche und private Leben heruntergefahren werden müsse, die Bundesliga aber weitermachen dürfe wie bisher.

Markus Scholz sieht vor allem ein Problem darin, da die Fußballspieler auch eine Vorbildfunktion einnähmen und mit Bildern, in denen enger Kontakt gezeigt wird, suggerieren, dass dies in Ordnung sei. Das aufwendige Testen, das den engen Kontakt überhaupt ermögliche, sei dagegen nicht so sichtbar.

"Wenn man die Vorbildfunktion sieht, suggeriert das, es gibt gar kein Problem. Man kann engen Kontakt haben und es passiert nichts. Aber, dass da ein massiver Testapparat hinter steht, das sieht man ja nicht."
Markus Scholz, Epidemiologe der Universität Leipzig

Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporter und bekennender Fußballfan Dominik Peters findet die Szenen, in denen sich Trainer gegnerischer Mannschaften nach dem Spiel umarmen oder Spieler ihren Mund-Nasen-Schutz unter der Nase tragen, bizarr. Andererseits genieße er auch – wie viele andere Fans in Deutschland – gerne die 90 Minuten, in denen es mal nicht um das Coronavirus geht.