Ebba ist 67 Jahre alt und bedauert bis heute, dass sie ihre Eltern nie mit Fragen über die Nazizeit konfrontiert hat. Heute engagiert sie sich in der Initiative "Omas gegen rechts". Sie protestiert gegen Hass und Gewalt, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Wenn ihre sieben Enkel und drei Urenkel sie später einmal fragen sollten, ob sie über die Probleme ihrer Zeit Bescheid gewusst und was sie dagegen getan habe, will Oma Ebba sagen können, dass sie aktiv war und sich engagiert hat.

Mangelnde Aufarbeitung

Ebba hat ihre eigenen Eltern nie mit Fragen über deren Nazi-Vergangenheit konfrontiert. Sie weiß, dass ihre Eltern aktive Nazis waren. Bis heute geht ihr nach, dass sie nie mit ihnen darüber gesprochen habe. Das Thema war tabu. 

Ihren Heimatort und die belastende Geschichte ihre Familie hat sie weit hinter sich gelassen, sobald sich die Möglichkeit dazu geboten hatte. Mehrere hundert Kilometer ist sie weg gezogen: nach Berlin. 

"Ich merke, wie schwer es mir fällt, vermeintlich vertrauten Menschen zu sagen, ich sehe das anders, wenn sie mir plötzlich ihren Hass gegen Flüchtlinge und Muslime vor die Füße kotzen."
Ebba engagiert sich in der Protestbewegung "Omas gegen rechts"
Eine ältere Frau mit einer Strickmütze, auf der ein Sticker aufgenäht ist, auf dem 'Omas gegen Rechts' steht.
© dpa
Deutschlandweit und in Österreich demonstrieren die "Omas gegen rechts" gegen Hass und Gewalt.

Als junge Frau hat sie sich an den Studentenprotesten beteiligt. Unvergesslich bleibt für Ebba auch, wie sie 2003 mit 500.000 anderen Menschen gegen den bevorstehenden Irakkrieg demonstriert hat. Mit ihr protestierten sechszehn Familienmitglieder aus drei Generationen. 

Inzwischen engagiert sie sich bei "Omas gegen rechts" und setzt sich gemeinsam mit anderen "Omas" für Minderheiten ein. Die Frauen organisieren sich über Facebook, Twitter und Whatsapp. Außerdem treffen sie sich - beispielsweise in Berlin - an jedem dritten Samstag mit den anderen Mitgliedern. 

"Opas" müssen draußen bleiben

"Opas" sind bei diesen Treffen bisher nicht dabei. Die Frauen glauben, dass das die Diskussionskultur innerhalb der Initiative durch männliche Mitglieder verändert werden könnte. Über männlichen Support bei den Demos freuen sie sich aber dennoch.

"Ich sehe es als Oma als Pflicht an, in meiner Familie mit den nächsten Generationen ein offenes und respektvolles Gesprächsklima wach zu halten."
'Oma' Ebba, Miglied der Berliner 'Omas gegen rechts'

"Oma" Gille nimmt auch an den Protesten von "Omas gegen rechts" teil. Sie ist 76 Jahre alt und findet es furchtbar, dass rechtes Gedankengut und Aufrufe zu Gewalt wieder gesellschaftsfähig werden. 

Spätes Erwachen

Demonstriert hat Gille früher nicht viel, weil sie aus einer provinziellen Gegend kommt, wie sie es nennt. Erst vor sechs Jahren ist sie wegen ihrer sechs Enkel nach Berlin gezogen. "Omas gegen rechts" hilft ihr dabei, gesellschaftliche Entwicklungen zu verarbeiten, die sie erschreckend findet.

"Alles wird wieder gesellschaftsfähig. "Wiederbewaffnung jetzt" - das ist doch furchtbar. Mir fällt es sehr schwer, das seelisch zu verarbeiten. Deshalb ist sowas wie die "Omas gegen rechts" für mich eine ganz große Hilfe."
Gille, Mitglied der Berliner "Omas gegen rechts"
Protestbewegung 'Omas gegen Rechts'
© dpa
Eine "Omas gegen rechts"-Demo in Hamburg als Gegenveranstaltung zur einer Demo mit dem Titel "Merkel muss weg".

Die Initiative "Omas gegen rechts" wurden zuerst in Österreich gegründet. Anna Ohnweiler baute das Netzwerk in Deutschland auf, nachdem sie einen Tweet gelesen und sich sehr darüber geärgert hatte. 

Anna Ohnweiler zitiert den Verfasser des Tweets in einem Fernsehinterview: "Wenn man schon zu alt sei, um noch nützlich zu sein, und auch vor lauter Emanzipation nicht stricken gelernt hat, würde sich seine Oma schämen." 

Gegen Diskriminierung

Dieser Tweet richtete sich gegen die österreichische Bewegung "Omas gegen rechts'. Besonders empörend fand Anna Ohnweiler, dass der Tweet suggeriert, dass alte Menschen wertlos seien. Das machte sie so wütend, dass sie sich vor über einem Jahr dazu entschlossen hat, die Initiative auch in Deutschland zu etablieren.

Mehr zum Thema: