Die Pandemie hat Studierende und Azubis psychisch stark belastet, das zeigt eine aktuelle Umfrage der Krankenkasse KKH. Mit der entspannteren Corona-Lage verschwinden diese Belastungen aber nicht einfach, sie dauern offenbar an.

Die Zeit in der Berufsschule oder an der Uni gehört zu den wichtigsten Phasen in unserem Leben. Viele lösen sich in dieser Zeit stärker von den Eltern und orientieren sich freundschaftlich, im Beruf und in Sachen Beziehung. Erstsemester-Veranstaltungen, gesellige WG-Abende oder Praktika zum Beispiel helfen uns, Netzwerke zu etablieren.

Eigentlich. In den vergangenen zwei Jahren – seit dem Beginn der Pandemie – sah die Situation für junge Erwachsene bekanntermaßen anders aus. Und das hat Folgen, wie bereits zum Beispiel ein Unicef-Bericht dokumentiert.

"Es hat vor allem die getroffen, die auch schon vor der Krise unter psychischen Problemen gelitten haben."
Aileen Könitz, Ärztin für Psychiatrie, KKH Krankenkasse

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) wollte genauer wissen, welchen Einfluss diese Umstände auf die psychische Gesundheit von jungen Erwachsenen haben und hat eine Umfrage durchgeführt - über tausend Teilnehmende im Alter von 16 bis 29 Jahren wurden dabei repräsentativ befragt.

Starke psychische Belastungen durch Lockdown

Das Ergebnis: Die Corona-Pandemie hat rund 40 Prozent der Befragten stark gestresst. Und: Die Krise hat Studierende stärker betroffen als die Auszubildenden, so die KKH-Ärztin Aileen Könitz. 42 Prozent der Studierenden und 36 Prozent der Auszubildenden beispielsweise haben sich der Umfrage zufolge durch den letzten Lockdown psychisch stark belastet gefühlt. Knapp Zweidrittel haben demnach angegeben, dass sie demotiviert waren, jede*r zweite, dass er oder sie erschöpft oder tagsüber häufiger müde war.

Sorge vor erneuten Kontaktbeschränkungen

Die Ängste und Sorgen der Studierenden und Auszubildenden betreffen unterschiedliche Lebensbereiche, zeigt die Umfrage weiter. Und obwohl sich die Lage im Hinblick auf das Coronavirus insgesamt ein wenig entspannt hat, bleiben demzufolge die Studierenden und Azubis weiterhin besorgt.

"44 Prozent der Befragten haben in diesem Zusammenhang auch Angst vor Einsamkeit angegeben. Und fast genauso viele haben die Sorge, dass die Impfung gegen Covid-19 nicht ausreichend schützt."
Aileen Könitz, Ärztin für Psychiatrie, KKH Krankenkasse

Denn fast drei Viertel der über tausend Befragten befürchten, dass es erneute Einschränkungen geben könnte und sie aufgrund dessen beispielsweise wieder zu ihren Eltern ziehen müssen. Ein Drittel befürchtet zudem auch finanzielle Probleme, weil etwa der bisherige Nebenjob durch weitere Lockdowns wegfallen könnte oder weil die Eltern aufgrund der Krise weniger finanzielle Unterstützung bieten könnten.

"Ein Drittel der Befragten hat sogar sehr große Angst vor erneuten Kontaktbeschränkungen."
Aileen Könitz, Ärztin für Psychiatrie, KKH Krankenkasse

Wer stark belastet ist, etwa durch Ängste, oder wer länger niedergeschlagen oder erschöpft ist, sollte das nicht mit sich selbst ausmachen, sondern sich professionelle Hilfe suchen, rät unser Reporter Till Opitz. Allerdings kann auch das in Pandemie-Zeiten ein Problem sein - viele Hilfsangebote waren im Lockdown schlechter erreichbar.

Zu wenig Therapieplätze

Inzwischen wurden die meisten Beratungsstellen zwar wieder geöffnet, sagt unser Reporter Till Opitz, dennoch seien Psychotherapie-Plätze weiterhin knapp. Aus diesem Grund fordern die Autoren und Autorinnen der Untersuchung auch mehr entsprechende Angebote. Till gibt den Tipp: Das Studierendenwerk und psychosoziale Beratungsstellen sind gute erste Anlaufstellen.

"Wir gehen davon aus, es wird auch zukünftig Pandemien geben. Und auch Studierende und Azubis brauchen dann eine verlässliche, niederschwellige und auch ambulante Unterstützung."
Aileen Könitz, Ärztin für Psychiatrie, KKH Krankenkasse

Lass dir helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest, findest du hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 erreicht ihr rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen ihr über eure Sorgen und Ängste sprechen könnt. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Hier findest du eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030-44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.

Weitere Hilfsangebote haben wir hier für euch zusammengestellt.