Versicherungen handeln mit der Angst vorm Risiko. Aber warum haben wir eigentlich so viel Angst, vor Situationen, die vielleicht nie eintreten werden? Und warum zahlen wir so viel Geld dafür, obwohl wir hoffen, dass wir die Versicherung nie in Anspruch nehmen müssen?

Borwin Bandelow ist Angstforscher und stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen. Und Borwin Bandelow ist kein Versicherungsfanatiker: "Ich habe nur die Versicherungen, die ich gesetzlich auch brauche", sagt er bei DRadio Wissen. Sein Eindruck: Bei Versicherungen zahlt man meistens drauf.

Die Fröhlichen sind ausgestorben

Dass wir Deutschen uns so gerne absichern, habe seiner Meinung nach damit zu tun, dass wir zu große Bedenkenträger seien. "Das hängt damit zusammen, dass unsere Vorfahren immer sechs Monate lang Vorräte anlegen mussten, um überleben zu können." Die Fröhlichen und Unbekümmerten seien ausgestorben.

"Dass wir uns absichern müssen, ist genetisch in uns verankert."

Zudem sei unser Angstgehirn noch auf derselben Entwicklungsstufe wie vor vielen 100.000 Jahren. Das sei der Grund dafür, dass wir uns lieber gegen negative Dinge absichern, als uns auf positive Dinge vorzubereiten. Ein Grund dafür: Unser Angstgehirn ist stärker als das Vernunftgehirn, denn das Angstgehirn hat dafür gesorgt, dass wir überleben.

Wie wir unsere Ängste in den Griff bekommen

Wenn wir unsere Ängste in den Begriff bekommen wollen, helfen Lerneffekte nur wenig. Wir können versuchen, unser Angstverhalten zu trainieren. Und dann sind die Menschen natürlich unterschiedlich.

"Manche Leute haben nicht einmal eine Krankenversicherung. Am Ende sind die glücklicher als Menschen, die gegen alles versichert sind."