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Viele von uns sind nach über einem Jahr Pandemie und all den damit einhergehenden Einschränkungen nervlich am Limit. Eine Psychologin erklärt, wie uns Achtsamkeit aus dem Frust helfen kann.

Die Coronavirus-Pandemie ist nicht nur eine Gefahr für unsere Gesundheit, sie ist auch ziemlich anstrengend. Zu all den Entbehrungen seit Beginn der Pandemie gesellen sich Corona-Meldungen auf allen Kanälen. Auch privat gibt es kaum noch ein anderes Thema – uns fehlen eigene Erlebnisse und neue Impulse.

Langsam versinken manche in der Gleichförmigkeit des Alltags. Winziger Ärger, der uns früher nicht hinter dem Ofen hervorgeholt hätte, lässt uns jetzt auf die Palme klettern. Manche fühlen sich, als seien sie in ein tiefes dunkles Corona-Loch gefallen, aus dem sie als auf ewig verbitterte Menschen herauskriechen könnten.

In drei Schritten der Verbitterung vorbeugen

Silke Brand ist Psychologin und findet es nachvollziehbar, wenn wir uns gerade wütend und müde fühlen. "Mütend zu sein ist ein Grundzustand, in dem wir zurzeit alle mehr oder weniger sind, und der als Reaktion auch erstmal angemessen ist", erklärt sie. Dennoch sollten wir uns davor schützen, dass unsere Verbitterung ein dauerhafter Gemütszustand wird. Die Psychologin nennt dafür drei Schritte:

1. Das Virus nicht persönlich nehmen und zusammenhalten
Silke Brand rät, die Coronavirus-Pandemie nicht persönlich zu nehmen und so kreativ wie möglich mit dieser schwierigen Lage umzugehen. Dafür sei es auch nötig, zusammenzuhalten.

"Je mehr wir in einem Boot sitzen und das auch so wahrnehmen, desto weniger verbittern wir."
Silke Brand, Psychologin

2. Das Unrecht benennen
Verbitterung sei immer eine Reaktion auf erlebtes Unrecht, erklärt Silke Brand. Deshalb sei es wichtig, dass wir das Unrecht zunächst einmal benennen und beschreiben, wie es uns damit geht. Dabei helfe uns eine achtsame Haltung gegenüber den eigenen Gefühlen.

3. Aus der Opferrolle heraustreten
Um der langfristigen Verbitterung vorzubeugen, sei es wichtig, die Opferrolle auch wieder zu verlassen und in den eigenen Einflussbereich zurückzukommen, so die Psychologin.

"Wir sind durch die Pandemie alle Opfer geworden. Jetzt geht es darum, nicht in der Opferrolle zu bleiben."
Psychologin Silke Brand über "Verbitterungsprophylaxe"

Für den dritten Schritt rät Silke Brand zu einer selbstfürsorgenden Tagesroutine. Wir sollten uns nach dem Aufstehen etwas anziehen - auch wenn wir nur im Homeoffice sitzen -, uns gesund ernähren, an der frischen Luft bewegen und für einen gesunden Schlaf sorgen. Außerdem sei es wichtig, auch den Geist zu trainieren, etwa durch Yoga, Meditation und andere sinnvolle Tätigkeiten.

Um der Corona-Verbitterung zu entkommen, sollten wir uns bei alledem immer wieder fragen, was wir in dieser schwierigen Situation bestenfalls für uns selbst herausholen können und wie wir die Zeit für uns nutzen können.

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Lasst euch helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen euch im Moment sehr? Ihr habt das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn ihr euch im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen könnt oder möchtet, findet ihr hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreicht ihr rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen ihr über eure Sorgen und Ängste sprechen könnt. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.
  • Hier findet ihr eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.