Erst sollte er abspecken, jetzt darf er sein Bäuchlein behalten - ganz Deutschland ist in Aufruhr, weil Pumuckl auf Diät gesetzt werden sollte. Echte Comicfans können über solche kosmetischen Eingriffe allerdings nur müde lächeln.

Jeder erlebt mal seinen persönlichen Relaunch - auch der kleine Pumuckl. Für eine überarbeitete Version sollte der Kobold eigentlich sein Bäuchlein verlieren - sollte schlanker werden. Aber das sorgte für so viel Protest, dass jetzt zurückgerudert wurde: Pumuckl darf seinen Bauchansatz behalten.

So viel Glück hat nicht jede Comicfigur und Kinderheld: Lucky Luke ist mittlerweile Nichtraucher und das Krümelmonster futtert schon seit zehn Jahren keine Kekse mehr in der Sesamstraße, weil es abspecken musste. Aber das sind Kleinigkeiten, sagt Markus Engelns, Literaturwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen und Comicexperte. Denn über solche Figurproblemchen können amerikanische Comic-Superhelden nur müde lächeln:

"Der Witz bei Superhelden ist ja, dass sie sich ständig verändern. Wie groß der Bauchumfang bei Batman ist oder die Muskeln, spielt ohnehin keine Rolle, weil eh jedes Jahr der Zeichner wechselt und damit auch darstellerische Veränderungen eintreten."
Markus Engelns, Literaturwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind die Veränderungen viel größer als in Old Europe. Ganze Identitäten werden ausgetauscht, bis plötzlich nur noch das Kostüm übrig ist und eine ganz andere Figur hereinschlüpft. Batman hat das durchgemacht, Superman - und gerade sind die Marvel-Helden dran: Captain America, der schon Adolf Hitler die Fresse poliert hat, schlüpft in Zukunft als Schwarzer in das blau-weiß-rote Kostüm. Das wäre 1941, als Captain America zum ersten Mal erschienen ist, völlig undenkbar gewesen.

Und die wohl drastischste Verwandlung durchläuft Thor: Angelehnt an den nordischen Donnergott war Thor in den Comics bisher ein Hüne von 1,98 Meter und einem Kampfgewicht von 140 Kilo, dazu noch sein magischer Kriegshammer Mjolnir als Waffe - männlicher ging es nicht. Und jetzt? Ab Herbst ist Thor eine Frau. Die Begründung von Marvel:

"Sie ist nicht She-Thor. Sie ist nicht Lady-Thor. Sie ist nicht Thorita. Sie ist THOR. Sie ist DER Thor des Marvel-Universums. Aber sie ist anders als jeder Thor, den wir zuvor gesehen haben."
Der Comicverlag Marvel stellt seine Leser auf neue Zeiten ein

Natürlich gibt es Proteste - aber auch das gehört zum Geschäft. Durch die Veränderungen und die Diskussionen wollen die Verlage den Verkauf ankurbeln, vor allem in den USA, die immer noch der Hauptmarkt für Comic-Hefte sind. Dazu muss man wissen: Der klassische Comic-Leser ist zwischen 16 und 21 Jahren alt. Und wenn er älter wird, steht eine neue Generation von Lesern parat - und die hat natürlich noch kein gefestigtes Bild ihrer Superhelden.