"Arbeit ist Scheiße!" Den Werbespruch der Anarchistischen-Pogo-Partei-Deutschland würde Peter Seyferth heute gewählter formulieren. Doch mit dem Inhalt identifiziert er sich noch. Und das, obwohl Peter einen ganz normalen Job hat. Er ist Dozent für Politik.

Als Peter Seyferth Dozent an der Uni in München wurde, musste er erstmal seine Klamotten wechseln. Er sah vorher aus wie ein klassischer Punk. Jetzt ist ihm eine gewisse Affinität zu dieser Lebenseinstellung immer noch anzuerkennen, doch kann er sich im Wissenschaftsbetrieb bewegen, ohne Aufsehen zu erregen. Er hat sogar einen Doktortitel.

Und noch einen Wandel musste Peter vollziehen: Bisher war er immer radikal, er wollte mit seiner Meinung provozieren. Jetzt als Dozent muss er auch andere Meinungen zulassen. "Wenn ein Student einen konservativen Standpunkt vertritt und diesen gut begründen kann, dann muss ich ihm zuhören und ihm sogar eine gute Note geben", sagt er.

"Ich lese viel. Das ist in der Wissenschaft angesehener als in der Punk-Szene."
Peter Seyferth

Obwohl Peter beruflich nicht mehr sonderlich punkig unterwegs ist - die Ideen findet er immer noch gut. Die Ablehnung jeglicher Herrschaft sitzt tief, sagt er. Und fragt sich: Wie kann man eine Gesellschaft ohne Machtstrukturen organisieren?

Auch deshalb hat Peter Politikwissenschaften studiert - um zu verstehen, wie unser System funktioniert.

Peter Seyferth

Notorische Verweigerer von Konformität

Wer will, kann Punk in viele verschiedene Kategorien einteilen. Es gibt zum Beispiel den Skate-Punk, Post-Punk, Anarcho-Punk, selbst Grunch wird zum Punk gezählt. Die Straight-Edge-Bewegung verzichtet sogar komplett auf Alkohol, Tabak, Drogen und andere Rauschmittel - und gehört trotzdem zum Punk.

Peter sagt: Punks sind notorische Verweigerer von Konformität. Deshalb müssen sie irgendetwas finden, was sie von den anderen Punks unterscheidet. Das führt im Endeffekt dazu, dass es nicht den einen Punk gibt.

Peter bezeichnet sich selbst als anarcho-kommunistischen Feministen. Und damit wären wir wieder bei der Kernaussage: Ablehnung jeglicher Herrschaft über andere.