Nina Ludolphi wohnt seit 2013 in Istanbul. Freitag Abend (16.07.) konnte sie nicht nach Hause gehen. Der Militärputsch war in vollem Gange, Brücken waren gesperrt. Sie berichtet uns, wie sie die Nacht bei Freunden erlebt hat.

Als sie die Nachricht vom Putschversuch kurz nach 22 Uhr erhielt, war Nina Ludolphi zum Grillen bei Freunden. Nina lebt auf der asiatischen Seite der Stadt, ihre Freunde auf der europäischen. Um sich zu informieren, recherchierte sie in den sozialen Netzwerken und schaute sich mit ihren Freunden die Live-Berichterstattung im Fernsehen an.

"Ich wäre nicht auf die Straße gegangen. Ich hätte viel zu sehr Angst gehabt, dass ich in eine Auseinandersetzung zwischen Polizei und Militärs gerate."
Nina Ludolphi wohnt in Istanbul

Abgesehen von der Ausgangssperre, die kurz nach Bekanntwerden des Putschversuchs ausgerufen wurde, war an eine Rückfahrt nach Hause nicht mehr zu denken. Militärs und Polizisten lieferten sich Schießereien, Kampfjets flogen tief über die Dächer und es gab Explosionen.

Immer wieder hörte Nina Explosionen - ob tatsächlich Bomben hochgingen oder die tieffliegenden Kampfjets Schallmauern durchbrachen, konnte sie in dem Moment nicht einschätzen. Somit war bis in die frühen Morgenstunden nicht ans Schlafen zu denken. Aufgrund des Putschversuchs blockierten Militärfahrzeuge zwei der Bosporusbrücken und lösten damit auch ein Verkehrschaos aus. Die Brücken wurden in den Morgenstunden für den Autoverkehr wieder geöffnet. Ein Freund gab Nina den Tipp, mit einer Bosporusfähre auf die asiatische Seite zu gelangen, was sie dann auch tat.

Viele Menschen erhalten zurzeit Textnachrichten über ihre Mobiltelefone, die dazu auffordern, auf die Straße zu gehen, um die Regierung zu unterstützen. Nina findet, dass diese Aufrufe die Situation nur noch weiter zuspitzen.

"Ich habe draußen bürgerkriegsähnliche Zustände erwartet."
Nina Ludolphi wohnt in Istanbul

Sie sagt, dass sie dieses Wochenende definitiv in ihrer Wohnung verbringen wird. Im Fernsehen und im Netz will sie die weiteren Entwicklungen verfolgen. Auf die Anhänger der Regierung, die jetzt auf die Straßen strömen, hat Nina keine Lust, weil die, aus ihrer Erfahrung, sehr aggressiv und unberechenbar seien.

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