Reinigungskräfte wischen die Flure, reinigen die Toiletten und räumen unseren Müll weg. Mit ihrer Arbeit halten sie das System am Laufen, doch dafür werden sie nicht genug entlohnt, findet Reinigungskraft und Betriebsrätin Petra Vogel. Und später drohe die Altersarmut.

Wenn wir zum Arbeiten ins Büro kommen, waren sie oft schon da und haben alles sauber gemacht: die Reinigungskräfte. In Bürogebäuden, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Hochschulen und vielen weiteren Gebäuden sind sie häufig diejenigen, die als erste kommen und als letzte gehen.

Dafür bekommt eine Reinigungskraft in der Gebäudereinigung 11,11 Euro pro Stunde. Das ist der aktuelle Mindestlohn.

Petra Vogel arbeitet seit 35 Jahren als Reinigungskraft. Sie ist bei einer Servicegesellschaft angestellt, die für die Reinigung in einem Krankenhaus sorgt. Petra Vogel ist auch als Betriebsrätin aktiv. Für sie macht der aktuelle Mindestlohn deutlich, wie wenig Wertschätzung Reinigungskräfte für ihre Arbeit bekommen. 11,11 Euro würden Reinigungskräfte später auch nicht vor der Altersarmut schützen, sagt sie.

Darüber, was es bedeutet, als Reinigungskraft zu arbeiten und wie herausfordernd ihre Arbeit bisher während der Coronavirus-Pandemie war, hat Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin Tina Howard mit Petra Vogel gesprochen.

Fehlende Wertschätzung zeigt sich am Lohn

Tina Howard: Frau Vogel, Sie sagen: "Ich putze nicht, ich reinige". Was ist für Sie hier der Unterschied?

Petra Vogel: Putzen, das mache ich zu Hause. Da kann ich putzen wie ich will. Zu Hause habe ich auch keinen Putzplan. In der Reinigung haben Sie das aber sehr wohl. Dort arbeiten Sie nach einem bestimmten Schema. Je nachdem wo Sie arbeiten, müssen Sie auch Hygienestandards beachten. Sie müssen Ihre Reinigung dementsprechend anpassen.

Zu Hause benutze ich zum Beispiel auch nicht 50.000 Lappen, um etwas zu putzen. Da nehme ich für die Toilette einen Lappen und für den Rest der Wohnung einen anderen. In der Gebäudereinigung brauchen Sie – gerade in Bereichen wie Krankenhäusern oder auch Altenheimen – für jeden Ort, an dem Sie reinigen, jeweils einen Einmalwaschlappen. Es gibt auch bestimmte Vorgaben, du musst bestimmte Zutaten für Reinigungsmittel zusammenmischen und vieles mehr.

Was ist denn das Beste und das Schlechteste an Ihrem Job?

Das Beste ist, dass viele alleinerziehende oder auch verheiratete Frauen mit Kindern zu Arbeitszeiten arbeiten können, wo andere nicht arbeiten. Wenn sie arbeiten, können ihre Ehemänner dann auf die Kinder aufpassen. Und Alleinerziehende können in der Zeit arbeiten, während ihre Kinder in der Schule sind.

Weil wir ein Zeitspektrum von 24 Stunden haben, in denen wir putzen können, können solche Frauen auch nachmittags oder abends putzen gehen. In anderen Berufen gibt es das eher nicht.

Für das Schlechteste an meinem Job halte ich zwei Dinge, wobei sie einander bedingen. Es geht um Wertschätzung: Unsere Arbeit wird nicht wertgeschätzt, obwohl wir – meiner Meinung nach – systemrelevant sind, weil wir eine unheimlich wichtige Funktion übernehmen.

Wenn wir nicht reinigen, dann quillen Toiletten und Abfalleimer über. Wenn wir in Krankenhäusern nicht vernünftig arbeiten, werden Keime verschleppt. Und vieles andere. Trotzdem bekommen wir für unsere Arbeit nur 11,11 Euro. Die Wertschätzung drückt sich natürlich darin aus, wie viel Lohn wir bekommen.

Merken Sie eine neue Art der Wertschätzung seit der Corona-Pandemie. Hat sich seitdem etwas verändert?

Schon vor einigen Jahren hat sich ein wenig etwas verändert, nachdem wir zum ersten Mal gestreikt hatten. Als wir groß in die Öffentlichkeit gegangen sind, haben wir gemerkt, dass wir von der Bevölkerung und auch von der Presse sehr unterstützt worden sind. Sie fanden es richtig, dass wir hohe Lohnforderungen stellen, weil unsere Arbeit wichtig ist.

Während der Corona-Zeit hat es sich auch noch ein wenig verbessert, weil die Leute merken einfach, dass nichts mehr läuft, wenn wir nicht da sind. Auch die Gefahr, sich irgendwo anzustecken, ist wesentlich höher, wenn es uns nicht gäbe.

Sie arbeiten für ein Krankenhaus und reinigen dort. Das war doch während der Corona-Pandemie bestimmt superanstrengend, oder?

Es war superanstrengend, weil wir auch oft Sonderaufträge bekommen haben, wo wir Corona-Zimmer gereinigt haben. Wir hatten in der Spitze bis zu 63 Corona-Patienten im Krankenhaus und hatten gar nicht so viel Personal, sodass unsere Leute wirklich schuften und Überstunden schieben mussten. Im Gegensatz zu anderen Bereichen wie Flughäfen, wo es keine Arbeit gab, weil die lahm lagen.

Im großen Ganzen ist in Krankenhäusern und Schulen, aber auch in Privatpraxen wesentlich mehr Arbeit angefallen. Und das ist natürlich auch wesentlich anstrengender.

Sie haben auch gesagt, das eine bedingt das andere. Da geht es einmal um Wertschätzung und es geht natürlich auch um den Lohn. 11,11 Euro sagen Sie, ist aktuell der Stand. Was fordern Sie? Was wäre Ihrer Meinung nach angemessener?

Aktuell müsste der Lohn bei über 13,50 Euro liegen. Mit 13,50 Euro hätten Sie einen Anspruch auf eine Rente, bei der Sie nicht in die Armutsrente fallen. Mit 11,11 Euro ist uns nicht geholfen. Wenn ich in zweieinhalb Jahren in Rente gehe, kriege ich gerade mal 800 Euro für 39 Jahre Vollzeit arbeiten.

Haben Sie denn Hoffnungen? Die Ampelkoalition spricht über eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro. Das würde aber ihre Situation nur ein bisschen verbessern, wenn ich das richtig verstehe.

Die jetzige Situation würde es ein bisschen verbessern. Bei 11,11 Euro Mindestlohn sind das immerhin 89 Cent. Das wäre jetzt tatsächlich die Inflationsrate, die bei 4,5 Prozent liegt.