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In Asien werden Quallen häufig gegessen. In Europa landen sie bisher nicht auf dem Teller. Das könnte sich bald ändern.

Am Strand nerven Quallen, zum Beispiel an der Nordsee. Eine mögliche Lösung des Problems, wenn man es denn als solches bezeichnen will: Die Quallen essen. In China und Südostasien werden Quallen schon seit über tausend Jahren gefangen und verspeist. In Deutschland bekommt man sie bisher nur in manchen China-Restaurants.

In Europa gibt es noch keinen großen Markt für Quallen, aber es wird geforscht, wie Quallen als Nahrungsmittel auch in Europa eingesetzt werden könnten.

"Wenn man die Qualle zum Beispiel mit Sojasauce und ein paar Kräutern zusammen mischt, kann man mit Kartoffeln und Quallen eine sehr schöne Beilage vorbereiten."
Jamileh Javidpour, Koordinatorin des Forschungsprojektes "Go Jelly"

Als Nahrung eignen sich Quallen prinzipiell: Sie enthalten kein Fett und kein Cholesterin, dafür Proteine, Natrium, Calcium, Kalium und Magnesium. Nur: Sie sind etwas schwierig zu essen. Einerseits, weil sie größtenteils aus Wasser bestehen. Andererseits, weil sie ungewohnt schmecken, zumindest für unseren europäischen Geschmack.

Eine Schale mit Quallensalat
© imago images / View Stock
Eine Schale mit Quallensalat

Quallen fühlen sich im Mund etwas knorpelig und gleichzeitig glitschig an. Je nach Verarbeitung sind sie auch knusprig. Der Geschmack ist eher neutral, ein bisschen salzig. Sauce und Beilagen gelten bei Quallengerichten als wichtig.

In Shanghai werden Quallen zum Beispiel mit Knoblauch, Koriander und Sojasauce serviert. Dafür werden die getrockneten Quallen vorher in Wasser gelegt, damit das Salz sich löst und sie aufschwemmen. Quallen kommen auch als Suppe oder als Salate auf den Tisch.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass Quallensalat und Quallen-Sushi schon bald auf der Karte von europäischen Gourmetrestaurants auftauchen."
Jamileh Javidpour, Koordinatorin des Forschungsprojektes "Go Jelly"

Quallen profitieren von manchen Entwicklungen auf der Welt:

  • Viele Arten mögen höhere Meerestemperaturen, für die der Klimawandel sorgt. So können sie sich besser vermehren.
  • Dank der Überfischung der Meere haben Quallen weniger Fressfeinde, etwa Thunfische und Schwertfische.
  • Quallen ernähren sich von Mikroalgen, die viel vorhanden sind, wenn Düngemittel der Landwirtschaft ins Wasser geraten.

Ein europäisches Forschungsprojekt namens "Go Jelly" will Quallenfischerei und Quallen als Lebensmittel jetzt näher untersuchen. An dem Projekt ist zum Beispiel auch das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beteiligt.

Jamileh Javidpour, Koordinatorin von Go Jelly, sagt, in Ostasien gäbe es zwölf verschiedene Quallenarten, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden. In Europa wird im Rahmen des Projekts erstmal an zwei Arten geforscht: Lungenquallen und Leuchtquallen. Ein Forschungsteam aus Dänemark hat auch schon Ohrenquallen verarbeitet – zu Quallenchips.

"Quallen können Rohstoffe für verschiedenste Verwendungszwecke liefern. Es wäre unsinnig, dieses Potenzial nicht zu nutzen, zumal uns die zugrunde liegende Biomasse immer wieder direkt vor die Haustür schwimmt."
Jamileh Javidpour, Koordinatorin des Forschungsprojektes "Go Jelly"

Rezepte mit Quallen: So schmeckt's

Für ihr "European Jellyfish Cookbook" hat das Team von Go Jelly an Rezepten gearbeitet, die eher für den europäischen Markt ausgelegt sind. Ein Kochbuch mit Rezepten für kalte und warme Quallengerichte, Dessert- und Beilagenrezepte wie Carpaccio, Suppe oder Pizza ist im März 2021 erschienen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt hat zwei Rezepte aus dem Kochbuch nachgekocht: Tagliatelle in einer Weißweinsauce mit Quallen und auch Quallenchips. Dafür hat er in einem asiatischen Supermarkt ein Kilogramm eingelegte Pazifikqualle besorgt, das zehn Euro gekostet hat.

Für Quallen aus der Nordsee oder dem Mittelmeer fehlt bislang noch die Zulassung der EU. In einem nicht-asiatischen Supermarkt werdet ihr deshalb nur sehr unwahrscheinlich auf eine Qualle treffen.

Qualle mit Nudeln oder auch frittiert

Zu Hause angekommen hat Christian Schmitt die Qualle für eine halbe Stunde in Wasser eingelegt, damit sie ihren muffigen Beigeschmack verliert. Und dann ist er den Schritten des Kochbuchs gefolgt.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Markus Dichmann durfte die zwei Quallengerichte probieren und findet eher Gefallen an den anderen Komponenten der Gerichte wie der Weißweinsauce oder dem frittierten Backmantel. Die Qualle selbst hat kaum einen Eigengeschmack.

Ähnlich sieht es auch Christian Schmitt. Statt mit Quallen würde er das nächste Mal mit Algen kochen. Die schmecken auch leicht nach Fisch.

Klickt auf den Play-Button für das ganze Quallen-Tasting mit Christian Schmitt und Markus Dichmann vom 27.08.2021
"Ich bin kein Fan von den Quallengerichten. Die Qualle hat keinen Eigengeschmack und die Konsistenz ist zu glibberig."

Dieser Artikel wurde am 27.08.2021 mit der Zubereitung einer Qualle durch Christian Schmitt und dem Quallen-Tasting ergänzt.