Die gewaltvollen Angriffe gegen trans Menschen in den vergangenen Wochen machen traurig, wütend und beängstigen. Damit klar zu kommen, ist nicht einfach. Beratungsstellen sind für euch da und helfen.

In diesem Beitrag wird queerfeindliche Gewalt thematisiert. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen oder retraumatisieren. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.

In Bremen wird eine trans Frau in der Straßenbahn ins Gesicht geschlagen und dabei schwer verletzt. Wenige Tage vorher wird trans Mann Malte niedergeprügelt, weil er zwei Frauen helfen wollte, die während dem Christopher Street Day in Münster sexistisch beleidigt wurden. Malte stirbt sechs Tage später, am 2. September 2022, im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Anteilnahme zeigt Stärke

Die Mahnwachen und Kundgebungen nach dem Tod von Malte zeigen, wie stark das Thema queerfeindliche Gewalt Menschen beschäftigt. Auf Instagram habt ihr uns von eurer Trauer, Wut und Angst erzählt. Diese Gefühle ernst zu nehmen, ihnen Raum zu geben und darüber zu sprechen, dazu rät auch Julian Fischer. Er arbeitet in der psychosozialen Beratung des Kölner Vereins Rubicon und ist dort auch Teil der Landeskoordination Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben, Schwule und Trans*.

Die Anteilnahme an Maltes Tod zeige auch, wie stark die queere Community ist und wie geschlossen sie zusammenhält. Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, könne jetzt zusätzlich helfen.

"Wir sind da und wir lassen uns auch nicht zurückdrängen."
Julian Fischer, psychosoziale Beratung, Rubicon Köln

Hilfe und Beratung

Darüber hinaus ist es ratsam, sich mit Gefühlen wie beispielsweise Angst weiter auseinanderzusetzen, sagt Julian Fischer. Das geht etwa mit Fragen wie: "In welcher Situation habe ich Angst, wenn ich nach außen sichtbar queer bin? Wie kann ich in so einer Situation sicher auftreten?"

Viele Beratungsstellen wie der Verein Rubicon, für den Julian Fischer arbeitet, die Aids-Hilfe oder Frauenberatungsstellen bieten auch psychosoziale Hilfe an. Sie können beratend unterstützen und auf ein Netzwerk aus Anlaufstellen zurückgreifen. "Wenn Personen zu uns kommen, können sie sich sicher sein, dass wir ihnen glauben. Gemeinsam überlegen wir dann, was weitere Schritte sein können", sagt er.

Rechtsberatung oder therapeutische Hilfe

Das bedeutet: Weitere Schritte können zum Beispiel eine Rechtsberatung oder therapeutische Hilfe sein. Dabei wird darauf geachtet, dass es weder zu Victim Blaming komme, noch Opfer in die Situation gebracht werden, sich für die Gewaltsituation, in die geraten sind, irgendwie zu rechtfertigen.

"Wir sind erst mal da und hinterfragen nicht, was die Person uns erzählt. Wir glauben ihr. Das ist total wichtig, weil Betroffene häufig in einen Rechtfertigungsdruck kommen."
Julian Fischer, psychosoziale Beratung, Rubicon Köln

Was auch helfen kann, ist, sich allgemein zu fragen, was einem in einer potenziell gewaltvollen Situation helfen könnte. Gewalt ist zwar etwas, das sich nicht im Vorfeld kontrollieren lässt, so Julian Fischer, weil es spontan und nicht nach Skript abläuft. Angebote wie Selbstbehauptungsworkshops könnten aber helfen, sich selbst sicherer zu fühlen.

Das tun, was dir jetzt gut tut

Auf Instagram habt ihr uns auch geschrieben, dass ihr euch momentan teilweise nicht traut, euch nach außen offen queer zu zeigen. Julian Fischer kann das gut nachvollziehen: "Ich glaube, wir kennen das alle, dass wir uns manchmal stark fühlen und dann so nach draußen gehen. Dann gibt es auch Momente, in denen wir uns um uns selbst kümmern und wieder Kraft schöpfen müssen."

Was dann helfen kann, ist sich mit anderen queeren Freund*innen auszutauschen und zu vernetzen. Vor allem sollte jede*r auf das hören, was er*sie gerade brauche und tun, was das Beste für ihn*sie sei.

  • Moderator*innen:  Rahel Klein und Paulus Müller
  • Gesprächspartner:  Julian Fischer, Landeskoordination Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben, Schwule und Trans* in Nordrhein-Westfalen, Beratungsstelle Rubicon Köln