Mehr auf den Fahrradverkehr setzen, das könnte eine Lösung für den Stau in den Städten sein. Das Problem ist nur: In den meisten Städten ist gar kein Platz für neue Radwege. 

Fahrradmotiv Radfunk

Das Fahrrad ist nicht der einzige Ausweg, um den Stau aus den Städten zu bekommen, findet Deutschlandfunk-Radreporter Klaas Reese: "Aber es kann Teil der Lösung des Verkehrsproblems in den Städten sein, denn Fahrradfahrer brauchen viel weniger Platz als Autos, machen weniger Lärm und sind umweltfreundlicher."

Das Problem ist aber, dass nicht alle Menschen direkt in der Stadt wohnen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können. Thorsten Koska vom Wuppertal Institut beschäftigt sich mit kommunaler und nachhaltiger Verkehrspolitik. Er schlägt deshalb einen ganzheitlichen Ansatz vor:

  • einen zuverlässigen, öffentlichen Nahverkehr
  • vereinfachte Leihmöglichkeiten von Fahr- und Lastenrädern oder Autos zum Beispiel über Smartphone
  • bessere, breitere und mehr Radwege

Städte müssen Platz für Radwege schaffen

Im optimalen Fall haben Fußgänger ihren Weg, Radfahrer ihre Spur und Autos, Busse und Lkws ihre Straße, damit sie sich nicht in die Quere kommen. Man kann aber auch großzügige Fahrradspuren auf der Straße einziehen. Das ist deutlich günstiger, als wenn man alles neu baut. 

"Die Menschen merken schnell: Mist, hier find ich keinen Pakplatz. Hier stehe ich oft im Stau. Aber guck: Auf dem Rad komme ich schneller voran. Man muss also Angebote schaffen, damit sich dann auch mehr Leute auf das Rad trauen."
Klaas Reese, Deutschlandfunk-Nova-Radreporter

Städte, die auf Radverkehr oder Fußgänger setzen, kommen auf lange Sicht besser weg, sagt Klaas. In Städterankings, wo es um Wohnlichkeit geht, liegen immer die Städte vorne, die auf nicht motorisierten Verkehr setzen. Straßen sind teurer im Bau und im Unterhalt als Fahrradwege. Vergleicht man zum Beispiel die Investitionen von Städten in den Autoverkehr mit denen in den Radverkehr, dann investieren sie für das Rad etwa fünf Euro pro Einwohner, für das Auto oft das Zehnfache. 

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Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hingegen gibt pro Einwohner pro Jahr 25 Euro, also das fünffache von deutschen Städten aus. Kopenhagen ist sehr radfreundlich und zählt zu den lebenswertesten Städten der Welt.

Das Bekenntnis zum Rad in den Städten kommt

Dieseldebatte und Feinstaubbelastung haben vielen Menschen die Augen geöffnet, glaubt Klaas Resse. Er sieht mehr Bürger in den Kommunen, die sich für nachhaltigen Verkehr einsetzen: "Langsam kommen auch Leute ins Rathaus, für die das Auto keine Rolle mehr spielt." Die machen dann eine auch Politik, die bereit ist, dem Thema Radverkehr Priorität zu geben. 

"In Kopenhagen ist nicht das tollste Wetter und trotzdem fahren die Leute da Fahrrad. Das liegt auch daran, dass die Radwege zum Beipsiel als erstes vom Schnee geräumt werden."
Thorsten Koska, Verkehrswissenschaftler

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