Abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge blinzeln. Springt der Daumen hin und her, könnt ihr sicher sein: Räumliches Sehen läuft. Besonders gut können das übrigens Schneider.

Wer auf gute Hand-Auge-Koordination angewiesen ist, sollte mehr nähen. Denn Schneider (der Beruf, nicht die Tiere) können besonders gut räumlich sehen - und Abstände einschätzen.

Scharfe Augen in der Schneiderei

Laut einer Studie ist räumliches Sehen besonders gut unter Schneiderinnen und Schneidern ausgeprägt, wobei die Autoren der Studie sagen: Es ist noch nicht geklärt, ob Schneider das so gut können, weil sie es bei der Arbeit so intensiv trainieren oder ob sie vielleicht nur diesen Beruf ergriffen haben, weil sie diese Fähigkeit besitzen.

"In unseren Augen kommen immer leicht unterschiedliche Bilder an, weil sie eine Nasenbreite Abstand voneinander haben. Aus beiden errechnet unser Gehirn das räumliche Sehen."
Anna Beerlink, Deutschlandfunk Nova

Es ging den Forschern übrigens nur um Schneider, die viel mit der Hand nähen. Nahe liegend scheint deshalb der Gedanke: wer im Millimeterbereich exakt arbeiten muss, trainiert räumliches Sehen. Studien haben aber gezeigt, dass zum Beispiel Zahnärzte und Chirurgen darin nicht besser sind als andere.

"Das Einschätzen von Abständen scheint wirklich eine Fähigkeit zu sein, die sich trainieren lässt."
Anna Beerlink, Deutschlandfunk Nova

Die meisten untersuchten Näh-Profis waren Frauen, wohingegen in der Kontrollgruppe vor allem Männer waren. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht ganz ideal. Aber die Autoren verweisen auf andere Studien, die gezeigt haben, dass es beim Stereosehen grundsätzlich keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Denjenigen, die das mit dem Stereosehen nicht so hinbekommen, könnte also ein Training helfen. Das könnte sich wiederum an der Arbeit von Schneidern orientierten, sagen die Forscher. Auch in anderen Berufen, in denen es auf eine ganz genaue Koordination zwischen Auge und Hand ankommt, wäre das hilfreich.

"Geht es um den Abstand eines Objekts von der Person, sind Leute aus dem Schneiderhandwerk um 80 Prozent besser als Leute mit anderen Jobs."
Anna Beerlink, Deutschlandfunk Nova