Fasten im Ramadan schweißt zusammen. Wer da als Muslim nicht mitmacht und trotzdem isst, ist mehr als nur ein Außenseiter.

Dass jeder Muslim im Ramadan fastet, gilt in islamischen Ländern als selbstverständlich. Doch es gibt bekanntlich keine Regel, die nicht auch gebrochen werden kann.

Wer das macht, obwohl er in eine muslimische Familie geboren ist, lebt einen Monat lang eine Art Doppelleben: Die meisten Fastenbrecher essen nur heimlich - und sprechen nicht darüber.

"Außer meiner Frau weiß es keiner. Es würde zu viele Fragen provozieren."
Wael, 33, aus Kairo

DRadio-Wissen-Autorin Stephanie Doetzer war fünf Jahre lang jeden Ramadan in arabischen Ländern unterwegs und hat undercover auf der Damentoilette Kekse gegessen, wenn der Hunger zu groß wurde. Vor allem aber hat sie als ehemalige Religionssoziologin gelernt: Die Fastenregel ist anders als andere religiöse Regeln. Auch diejenigen, die Alkohol trinken, voreheliche Beziehungen haben und so gut wie nie beten, halten sich fast immer an das Fastengebot.

"Fasten tut jeder. Es ist die eine Sache, die du machst, um noch irgendwie Muslim zu bleiben."
Mahmoud, 23, aus Kabul

Wer mit dieser Fasten-Regel bricht, hat zwei Möglichkeiten:

Entweder er beteuert, dass er ein Sünder ist und leider zu schwach zum Fasten. Und akzeptiert somit die Norm.

Oder er macht sich ernsthafte Gedanken über die eigene Identität - und die Gesellschaft, in der er lebt.

"Bei mir läuft es letztlich darauf hinaus: Ich faste nicht mehr, weil ich kein Muslim mehr bin."
Wael, 33, aus Kairo