Seit Sommer ist Kevin-Prince Boateng wieder zurück bei der Frankfurter Eintracht: "In jeder neuen Saison gibt es Vorfälle. Das darf einfach nicht mehr passieren."

Der Bundesligaspieler hat im Interview dem Magazin Focus gesagt: "Wir haben Torlinien-Technik und den Videobeweis, dass Boateng im Abseits stand und der Elfer nicht gegeben wurde. Aber warum setzen wir nicht die Technik ein, dass jeder rassistische Schreier identifiziert, rausgeschmissen wird und nie wieder zurück ins Stadion darf?"

Fanforscher Robert Claus begrüßt die Forderung von Kevin-Prince Boateng, gegen rassistische Hetze im Fußballstadion vorzugehen. 

Das Thema Rassismus im Fußballstadion würde so Öffentlichkeit bekommen, sagt Robert Claus. Noch immer werde zu wenig über das Problem gesprochen. Kevin-Prince Boateng hätte auch schon früher, als er noch bei AC Mailand spielte, rassistische Äußerungen von Fans angeprangert.

Offene Flanke für Diskriminierung

"Fußball, so wie er gestaltet ist, hat eine offene Flanke für Diskriminierung. Es gibt ein klares Wir und ein klares Gegenüber", sagt der Fanforscher – ganz klare Feindbilder. Das "Wir-gegen-die-anderen" würde es leicht machen, die Konkurrenz zu diskriminieren. So sei es auch kein Widerspruch, wenn ein Fan den schwarzen Spieler der eigenen Mannschaft bejubelt und den schwarzen Spieler der gegnerischen Mannschaft mit rassistischen Ausrufen überzieht.

Ob der Videobeweis für rassistische Rufe allerdings funktioniere, bezweifelt Robert Claus. Zwar seien Fans schon per Kamera festgehalten worden, während sie den Hitlergruß zeigten. Später konnten sie dann durch die Eintrittskarte identifiziert werden. Bestraft wurden sie unter anderem mit einem Stadionverbot.

"Gleichzeitig darf man trotz eines solchen Vorschlages nicht vergessen, dass Präventionsarbeit total wichtig ist und dass es vor allem darum geht, Fans zu stärken, die sich gegen Rassismus engagieren."

Wie groß das Rassismusproblem in deutschen Stadien tatsächlich ist, lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken, zumindest gibt es keine verlässlichen darüber, sagt Robert Claus. Grundsätzlich habe der deutsche Fußball aber eine positive Entwicklung durchgemacht.

"Noch in den 90er Jahren waren sogenannte Affenlaute gegen schwarze Spieler, Asylantenrufe oder auch Reichskriegsflaggen in deutschen Stadien gang und gäbe. Das sind Dinge, die wir in den meisten deutschen Stadien nicht mehr hören."
Robert Claus, Fanforscher

Ursache für die positive Entwicklung ist, dass sich Fans selbst des Rassismusproblems angenommen haben. Ein bundesweites Fannetzwerk arbeitet engagiert an dem Thema. Teilweise zeigen auch Ultragruppen Flagge gegen Rassismus. Der DFB hat ebenfalls viele Maßnahmen entworfen.

"Gleichwohl ist Rassismus nicht weg. Wir sehen nicht, welche Einstellung 80.000 Fans in einem Stadion haben. Wir sehen aber, dass rassistische Symbole in deutschen Stadien weitaus weniger zu sehen sind als früher."
Robert Claus, Fanforscher

Im internationalen Vergleich steht Deutschland gegenüber Polen oder Italien besser da, meint Robert Claus: "Gerade in Polen gibt es eine relativ konservative Fanszene und eine starke Hooliganszene, die durch die Bank weg rechtsextrem ist". Diese Gruppen spielen mit Neo-Nazi-Symbolen und zeigen Choreographien, die sich gegen die Einwanderung nach Europa richten.

"Wenn wir über homosexuelle oder frauenfeindliche Sprüche reden, sieht die Lage aber ganz anders aus."
Robert Claus, Fanforscher

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