Die Corona-Pandemie hat die Diskriminierung in Deutschland verstärkt – und zwar vor allem gegen asiatisch gelesene Menschen. Zwei Forschende der Uni Mannheim haben sich damit in einer der wohl ersten Studien zum Thema Diskriminierung befasst.

Ich bin kein Virus – so heißt die Seite, auf der Betroffene erzählen, wie sie Diskriminierung seit der Corona-Pandemie erfahren haben. Und sie sind keine Einzelfälle, wie eine Studie der Uni Mannheim zeigt. Für die Untersuchung wurden 3.500 asiatisch-stämmige Menschen zwischen 24 und 26 Jahren befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, seit dem Ausbruch des Virus stärker diskriminiert worden zu sein als zuvor.

"Ungefähr die Hälfte der Asien-stämmigen Teilnehmenden hat angegeben, dass sie sich seit dem Ausbruch von Corona viel stärker diskriminiert fühlen als vorher."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Langzeitstudie zu Diskriminierung in Deutschland

Die Diskriminierungsberichte konnten die Forschenden gut einordnen, da sie die Teilnehmenden schon seit zehn Jahren immer wieder nach diskriminierenden Erfahrungen gefragt haben und asiatisch-stämmige Menschen bisher nie überrepräsentiert von Diskriminierungserfahrungen berichtet hatten.

Grundsätzlich zeigt die Langzeit-Studie, dass sich Angehörige ethnischer Minderheiten in Deutschland deutlich stärker diskriminiert fühlen als die der deutsch-stämmigen Mehrheit. Allen voran türkisch-stämmige Menschen oder Menschen mit einem Migrationshintergrund aus dem Mittleren Osten und aus Afrika. Von diesen Gruppen hatten sich seit der Pandemie 10 Prozent stärker diskriminiert gefühlt – asiatisch gelesene Menschen dagegen 50 Prozent stärker.

Irrationale Beschuldigungen

Die Forschenden vermuten, dass Alltagsdiskriminierungen und Rassismus gegenüber asiatisch aussehenden Menschen durch die Angst vor einer Corona-Infektion und den Stress, den die Pandemie verursacht hat, verstärkt wurde. Gerade zu Beginn der Pandemie stand China sehr stark im Fokus der Medien, da dort das Virus ausgebrochen war und sich dann auch in anderen asiatischen Ländern verbreitet hat.

Wer chinesisch oder asiatisch aussah, wurde zu dieser Zeit von anderen Menschen möglicherweise als Gefahr, Ansteckungsquelle oder auch als Verantwortliche oder Verantwortlicher für die Pandemie gesehen – auch, wenn das in Wirklichkeit natürlich nicht so wahr.

Diskriminierung auch gegen andere Gruppen

Die Forschenden erkannten beispielsweise, dass in den Gebieten in Deutschland, in denen gerade die Inzidenz hoch war, asiatisch gelesene Menschen auch verstärkt diskriminiert wurden. Die Diskriminierung richtete sich laut der Befragung aber auch gegen andere Gruppen: Nord- oder Südamerikanisch gelesene Menschen sowie Menschen aus einem der früheren Sowjetstaaten mit einem sogenannten GUS-Hintergrund haben von mehr Alltagsdiskriminierung gesprochen.

Dabei war es häufig so, dass wenn beispielsweise in den USA oder in Russland die Zahlen sehr hoch waren, russisch-stämmige oder US-amerikanisch-stämmige Menschen überdurchschnittlich viel Diskriminierung erfahren haben.

Ergebnisse nicht repräsentativ

Allerdings räumen die Forschenden ein, dass man die Ergebnisse der Studie nicht überbewerten sollte. Vor allem, da sich die Befragten auf eine sehr schmale Altersgruppe begrenzen. Dennoch kann die Studie als weiterer Hinweis aus der Wissenschaft gesehen werden, wie Corona bestimmte Arten von Rassismus verstärkt hat.

"Nach den einzelnen Berichten von Betroffenen, auch in den Medien, ist das jetzt ein weiterer wichtiger Hinweis auch aus der Wissenschaft, wie Corona bestimmte Arten von Rassismus verstärkt hat."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Unser Titelbild zeigt asiatisch gelesene Menschen auf einer Demonstration in Amsterdam vom März 2021.