E-Zigaretten enthalten weniger krebserregende Stoffe als normale Zigaretten. Aber sind sie deshalb auch weniger schädlich? Auf Einladung des Science Media Centers haben Expertinnen und Experten über die Risiken der E-Zigaretten gesprochen. Dabei ging es auch um die Frage, ob sie stärker reguliert werden sollten?

E-Zigaretten gibt es noch nicht allzu lange auf dem Markt. Vor 17 Jahren wurde das erste Modell in China entwickelt und ein Jahr später gab es die ersten elektronischen Zigaretten zu kaufen. Weil das ein relativ kurzer Zeitraum ist, gibt es noch keine Langzeitstudien, die genau über die gesundheitlichen Risiken aufklären können. Das ist auch der Grund, warum so viel spekuliert wird.

Einerseits hört man davon, dass E-Zigaretten ein gutes Mittel sind, um mit dem Rauchen aufzuhören. Einige beschwören, dass sie viel weniger gefährlich seien als normale Zigaretten. Auf der anderen Seite gibt es Berichte über Todesfälle in den USA, die mit dem Konsum von E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden. Was stimmt denn nun?

E-Zigaretten sind nicht risikofrei

Auf einer Tagung haben Experten über die Gefahren von E-Zigaretten gesprochen und auch über die Frage, ob sie stärker reguliert werden sollten.

Die Forschenden sind sich in dem Punkt einig, dass E-Zigaretten tatsächlich weniger gesundheitliche Risiken als normale Tabakzigaretten haben. Sie sagen aber auch, dass das nicht bedeutet, dass E-Zigaretten ungefährlich sind. Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, Ute Mons, sagt, E-Zigaretten enthalten auch einige Schadstoffe.

"E-Zigaretten sind nicht risikofrei, sie enthalten auch einige Schadstoffe. Aber sie sind erheblich weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, wenn sie sachgemäß verwendet werden."
Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention

In E-Zigaretten ist kein Tabak, sondern es wird ein Liquid gedampft. In diesem Liquid kann Nikotin drin sein, oder nicht. Auch wie viel Nikotin dem Liquid beigefügt ist, variiert in mehreren Stufen. Aber man muss wissen: Dieses Liquid ist der Stoff, der die Gefäße schädigt.

E-Zigaretten: kein Teer und andere krebserregende Stoffe

Je nach Dosis des Nikotins sind E-Zigaretten also unterschiedlich schädlich, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski. Der Vorteil gegenüber normalen Zigaretten sei: Die vielen anderen schädlichen und teils krebserregenden Stoffe vom Tabak fehlen.

"E-Zigaretten können um die 95 Prozent weniger schädlich sein als normale Zigaretten, die ja Teer und andere krebserregende Stoffe enthalten."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk Nova

Dass E-Zigaretten weniger schädlich sind als normale Tabakzigaretten, belegen auch einige Studien, wie die Untersuchung im Auftrag der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England von 2015, oder auch diese Studie von 2017.

In Großbritannien selbst haben E-Zigaretten sogar einen eher guten Ruf. Dort gibt es vom staatlichen Gesundheitssystem unterstützte Kampagnen, die Zigarettenraucher zum Umsteigen auf E-Zigaretten bringen sollen.

E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung

Der Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde in Berlin, Thomas Hering, glaubt auch, dass E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung gut geeignet sind. Die Annahme, dass E-Zigaretten 95 Prozent weniger schädlich sind als Tabakzigaretten zugrunde legend, rechnet er zusammen, wie viel weniger Tote es pro Jahr in Deutschland geben würde.

"Mit E-Zigaretten wären es statt 120.000 nur 6000 Tote pro Jahr. Das heißt, nicht 380 pro Tag, sondern nur 19 Tote."
Thomas Hering, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde in Berlin

Trotzdem gilt es natürlich festzuhalten, dass man auch an E-Zigaretten sterben kann. Sie sind also nicht ungefährlich. Und an diesem Punkt setzen Kritiker ein, die befürchten, dass E-Zigaretten Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Nikotinsucht erleichtern, denn die Liquids gibt es ja nicht nur in der Geschmacksrichtung Tabak, sondern auch Kaugummi, Heidelbeere oder Kaffee.

E-Zigaretten bei Jugendlichen nicht so beliebt

Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum kann bisher keinen rapiden Anstieg des E-Zigarettenkonsums bei Jugendlichen feststellen. "Jugendliche probieren vieles aus. Das heißt aber nicht, dass sie direkt regelmäßig E-Zigaretten konsumieren", sagt sie.

"E-Zigaretten sind bei Jugendlichen auf konstant niedrigem Niveau. Aber Tabakzigaretten werden unter Jugendlichen immer noch häufiger verwendet."
Ute Mons, Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg

Trotzdem sollte Werbung für Tabakprodukte verboten werden, sagt Ute Mons. Das würde in anderen Ländern viel besser laufen als in Deutschland. "Das Drama um das Tabakwerbeverbot hat gezeigt, wie traurig es in Deutschland um die Tabakprävention bestellt ist - das machen andere Länder wesentlich besser."